Rebekka Kricheldorf

Die Ballade vom Nadelbaumkiller

3 Damen, 3 Herren

Clash of generations: Rebekka Kricheldorf schickt Vertreter der 68er ("Babyboomer"), der "thirty-somethings" (auch "Generation Golf" genannt) und der so genannten "Netzwerkkinder" in den Ring.
Jan Mao ist Opfer antiautoritärer Erziehung und auf der Suche nach Grenzen. Er inszeniert sich als moderner Don Juan und verprasst das Geld seines Vaters Franz, ehemaliger Hippie. Der ist mittlerweile Chef einer gut gehenden Werbeagentur und will seinen Sohn zum Nachfolger küren. Jan will aber nicht, kann auch gar nicht, bewältigt er doch schon den Alltag nur durch Dienstleistungen des arbeitslosen Leporello Rudolf, dem Sohn eines Fischhändlers. Dabei ist der mit vier cum laude-Abschlüssen reichlich überqualifiziert für diesen Hilfsjob. Elvira, ehemals Weg-Genossin und heute beste Kundin von Franz, ist sexuell befreite Unternehmerin. Die soll helfen, Jan auf den rechten Weg zu bringen. Dabei hat sie schon Stress mit Tochter Anna, weil die ihr Leben rein erfolgsorientiert nach dem Kosten-Nutzen-Faktor plant. Und dann ist da noch Tine, die sich und Handyverträge gegen Cash verkauft.
Kommunikation zwischen den Generationen ist nicht wirklich möglich und so treffen die Figuren aufeinander wie Fremde, die sich voller Ironie begegnen. Der Mythos von Don Giovanni steht Pate, doch auch der mahnend klampfende Geist vom inzwischen toten Franz kann seinen Sohn und ein Rudel Flamingos nicht vor dem tragischen Ende retten.

Pressestimmen:
"Die "Ballade vom Nadelbaumkiller" freilich ist ihr bislang bestes Stück: Unaufdringlich elegant und pointiert verschränkt sie den Mythos von Don Giovanni mit einer Art Screwball-Komödie über Generations- und Klassenkonflikte im Milieu der Aus- und Aufsteiger." Martin Halter, FAZ, 22.05.2004

"Mit der "Ballade vom Nadelbaumkiller" schließt Rebekka Kricheldorf an "Prinzessin Nicoletta" an, übertrifft ihren ersten Erfolg aber, indem sie ihre Geschichte nicht im Märchenland belässt, sondern in der jüngsten BRD-Wirklichkeit ansiedelt. Der altlinke und neureiche Papa Franz hechelt seinem verlorenen Sohn hinterher und begreift nicht, dass der nur ein Prinz Playmobil und auserwählter Konsumist mit der Brieftasche des Vaters in der Hand sein will. Kricheldorf überzeichnet ihre Figuren, macht aber auch deutlich, warum die neunziger Jahre so müde wirkten. Jan Mao ist ein sympathischer Snob, mehr nicht." Jürgen Berger, theater heute, 01.07.2004

6 Darsteller
Aufführungsgeschichte: UA: 18.05.2004 Stuttgart, Staatstheater
Genre/Kategorie:  Schauspiel

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