Am 22. September gab es mit "Blindgänger" die erste Premiere der neuen Spielzeit in Heidelberg. Tristan Bergers Adaption des gleichnamigen, international erfolgreichen Kinderfilms von Helmut Dziuba und Bernd Sahling erlebte in Anwesenheit der Autoren in der Spielstätte des KJT Zwinger 3 seine Uraufführung im Theater. Ulrike Stöck inszeniert die Geschichte von der ersten Liebe eines blinden Mädchens als lebhaften Emanzipationsvorgang.
" Ich kann alles! - stellt Marie (Joanna Kapsch) selbstbewusst fest und trifft den Grundton des Jugendstückes BLINDGÄNGER nach dem mehrfach ausgezeichneten Film von Helmut Dziuba und Bernd Sahling. Damit bringt das Heidelberger Kinder-und Jugendtheater passend zum Kino-Schwerpunkt der Sparte Schauspiel einen Filmstoff auf die Bühne.
Dank der geschickten Inszenierung von Ulrike Stöck konnte das zwinger3-Ensemble mit Tristan Bergers Bühnenfassung seinen ersten Premierenerfolg der Saison verbuchen. Die Regisseurin denkt sich unbefangen in die fremde Welt der Nichtsehenden hinein. Sie betont die akustische Vermittlung des Geschehens, übernimmt die Situation der Dunkelheit und setzt auf das verbindende Element der Musik. Aus Hörspielsequenzen (Dramaturgie: Valerie Laubenheimer), Spielszenen, Live-Musik, Toneinspielungen und Videomitschnitten entsteht ein "Hörtheater", das für blinde, sehbehinderte wie sehende Menschen zu einem besonderen Theatererlebnis wird. BLINDGÄNGER erzählt mit Witz und Poesie eine mutmachende Geschichte vom Erwachsenwerden. Zentrale Figuren sind die zwei blinden Mädchen Marie und Inga (Kerstin Ohlendorf). Wie bei vielen Teenagern ist ihr Alltag von Schule, der Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen und dem Thema der Liebe bestimmt. Was die Freundinnen von Gleichaltrigen unterscheidet, ist ihre Isoliertheit aufgrund ihres Handicaps, die durch das Wohnen in einem Internat verschärft wird ...
Mit der Produktion BLINDGÄNGER hat das zwinger3-Team einmal mehr "Mut zur Freiheit" bewiesen, neue Wege zu beschreiten und durch Theater die Wahrnehmungswelt des Publikums zu erweitern. Das Publikum dankte es mit begeistertem Applaus!"
Rhein-Neckar-Zeitung, 24. September 2009