"Der beste Schuppen zwischen Amsterdam und Hamburg" - Das Musical "Meta, Norddeich" entfesselt den Norden

vom 25.1.2010


© Landesbühne Niedersachsen Nord

Mit Peter Schanz' Musical hat die Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven unter der Intendanz von Gerhard Hess einen Volltreffer gelandet. Die Vorstellungen sind ausverkauft, weitere Zusatzvorstellungen im Sommer sind in Planung. Das Musical über die legendäre Musik-Kneipenwirtin Meta Rogall, die in den 60er und 70er Jahren mehreren Generationen Jugendlicher das Neue, Schräge und Unangepasste bot, entstand als Auftragsarbeit der Landesbühne. Ingo Putz führte Regie bei einer Premiere, die nordseestürmisch gefeiert wurde.

"Das hier ist das ehrwürdige Stadttheater, aber darauf kann das Publikum jetzt leider keine Rücksicht mehr nehmen. Es ist nach zehn, und bei Meta im „Haus Waterkant“ geht das zu dieser Zeit schließlich auch immer so: Die Leute rufen „Zugabe!“ und „Mehr!“, (...) hinten an der Theke gibt es Charly für 1,70. „Das ist kein Bahnhof hier“, droht Meta von der Bühne, „wer nichts trinkt, fliegt raus!“
Grün ist der Deich, blau leuchtet der Himmel. Schafe grasen, zwei gelb-grüne Klischees starren ins Nichts: Ostfriesennerz, Gummistiefel, Wollmütze, in der Hand eine Flasche Jever Pils. „Nu ist sie weg“, murmelt die erste Wollmütze. „Jo“, antwortet die andere; aus dem Off erklingt „Knockin’ On Heaven’s Door“. Meta Rogall, Betreiberin des legendären „Haus Waterkant“, starb im September 1994 mit 59 Jahren an Krebs. Und damit fängt im Stadttheater eine Erfolgsgeschichte an.
(...)Im Brackwasser hinterm Deich spiegelt sich die Kulturgeschichte der Bundesrepublik. Da schimpft der Vater „Solange Du die Füße unter meinen Tisch stellst . . .“, da werden Bußgeldbescheide im zackigen „Wochenschau“-Ton verlesen, da macht eine Männergesellschaft Frau Meta den Schuppen dicht. Auf dem Deich gibt es zu viel Schiet, ’tschuldigung: Shit. „Smoke on the Waterkant“, singt der Chor, „beim Feiern hinterm Deich.“ Doch Meta weiß: „Time Is On My Side“, die Zeit ist auf ihrer Seite.
Es gibt stehende Ovationen. Und wieder Rock’n’Roll." (NWZonline, 25.01.2010)


"Die Wirtin Meta Rogall und ihre Kneipe in Norddeich haben sich im Nordwesten zu einem Mythos ausgewachsen. Warum? Weil Meta das wilde Leben an die Küste brachte. Und ihren Stiefel auch gegen Widerstände durchzog.
(...) Sie hat dafür gesorgt, dass sich gleich mehrere Generationen von Ostfriesen nicht so gefühlt haben, als lebten sie am Ende der Welt. Nun, gut 15 Jahre nach ihrem Tod, wird Meta eine Ehrerbietung zu Teil, die das Wort Hype verdient hat. (...)
Das Musical macht die Landesbühne Nord, die mit dem Stück durch den Nordwesten tourt. Bereits vor der Uraufführung ist der Großteil der Vorstellungen ausverkauft. Die Geschichte um Meta ist noch ein Regional-Hype, aber sie hat das Zeug, über die Region hinauszuwachsen.
Meta Rogall hat 1960 direkt am Deich das Tanzcafé "Haus Waterkant" eröffnet. Aus dem Tanzcafé wurde ein Beat-Club: Meta holte Live-Bands, viele davon aus England und Holland. In den 1970er wurde aus dem Beat-Club eine Disco. Ins "Haus Waterkant" allerdings ging niemand, alle sagten: "Wir geh'n zu Meta". Mitte der 1980er taufte Meta ihren Laden um in "Meta's Musikschuppen". So heißt er noch heute: Metas Sohn hat den Laden übernommen.
(...) Es gibt die Geschichte vom Kinderwagen voller Alkoholika, mit dem Meta durch die Kneipe zog und die Gäste direkt versorgte. Es gibt die Auftritte von späteren Stars. Howard Carpendale spielte bei Meta. Otto Waalkes war da, Mr. Piggi (Schildkröte) und die Scorpions.
Als die Behörden bei einer Durchsuchung 50 Gramm Haschisch finden, muss Meta zu machen. Die Leute demonstrieren dagegen vor dem Rathaus von Norden. Nach drei Monaten Pause macht Meta wieder auf.
(...) Meta stand dafür, das eigene Ding gegen die Widerstände von außen durchzuziehen. Das Selbstbestimmte hat sie auch im Alter nicht verloren: "Auch als Vertreterin der Elterngeneration verkörperte Meta eine Mischung aus Mütterlichkeit und Widerstandsgeist", sagt Peter Schanz, der Autor des Musicals.
In jedem Fall war Meta eine Vertreterin der ersten Generation, die mit Rockmusik alt geworden ist. Und das wird man auch in München verstehen." (taz, 23.01.2010)


"In Metas Kneipe hinterm Deich waren schon früh später bekannte Bands wie die Scorpions aufgetreten. Howard Carpendale studierte dort mit Sprachschwierigkeiten seinen ersten deutschen Arbeitsvertrag. «Time Is On My Side» - der alte Titel der Rolling Stones, gesungen von «Meta»-Darstellerin Angelika Bartsch, markiert im Musical symbolisch die Aufbruchstimmung der frühen Rock-Ära.
«Das wird der beste Musikschuppen zwischen Amsterdam und Hamburg», verspricht Meta den Zuschauern, «Akkordeon ist verboten: Ich will andere Musik.» Eine Elvis-Kopie bringt sie auf den Geschmack, Schafe trällern als Background-Chor zur Rockmusik, während Bayern-Touristen bei Ebbe die Nordsee suchen. Für das Bühnenstück hatte der Musikalische Leiter Udo Becker eine vierköpfige Live-Band und sechs singende Schauspieler engagiert. Die 500 Zuschauer feierten das Stück und die zahlreichen Zugaben mit frenetischem Applaus." (Westfälische Nachrichten, 24.01.2010)

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