"Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen"

vom 28.5.2010


© Ruhrfestspiele

Was wäre, wenn Heinrich von Kleist unter uns lebte? Als Autor mit all den Selbstdarstellungszwängen, Depressionen und Euphorien seiner Zeit. Wie ließe er sich ins heute übersetzen? Oliver Bukowski hat den Versuch gewagt und im Auftrag der Ruhrfestspiele und des Hamburger Schauspielhauses ein Kleist-Stück geschrieben, das den Dichter als Mensch und unseren Zeitgenossen zeigt. Als furioses 3-Personen-Stück präsentiert es sich nun in Markus Heinzelmanns Inszenierung im Theaterzelt auf dem "grünen Hügel" Recklinghausens, bevor es im September in Hamburg zu sehen sein wird.

"Bukowski, ein namhafter Vertreter des deutschen Volkstheaters heute, steht in der Tradition von Brecht, Fleißer und Kroetz – er schreibt mit Vorliebe Farcen. Sein neuestes Stück, die Auftragsarbeit, nennt Bukowski: „Wenn ihr euch totschlagt ist es ein Versehen“.
Im Mittelpunkt steht Bernd Getskard, eine Nervensäge. Obwohl Getskard mitunter himmelhoch jauchzt, dann wieder zu Tode betrübt ist, halten seine Freunde zu ihm. Sie meinen, Getskard sei ein Jahrhundertgenie. Je länger Oliver Bukowskis 11 Szenen dauern, desto klarer wird, dass Getskard nicht nur schwer krank ist, manisch-depressiv, sondern einem preußischen Junker aus dem 19. Jahrhundert ähnelt. Da die Ruhrfestspiele in diesem Jahr als Motto „Kontinent Kleist im romantischen Meer“ gewählt haben, liegt es nahe, in der Kunstfigur einen genialen aber verkannten Dichter, einen Kleist in unserer Zeit zu erkennen. (...) Oliver Bukowski ist ein Meisterwerk gelungen: die Form stimmt, inhaltlich durchdringen sich kunstvoll Gegenwart und Vergangenheit – und die große Frage wird aufgeworfen, woher der Funke des Genies kommt. Hat er etwas zu tun mit der Krankheit – oder sind wir Durchschnittlichen krank, weil wir uns bei der Bewältigung des Alltags um die Euphorie des geistigen und seelischen Aufschwungs gebracht haben?" (Ulrich Fischer, dpa, 22.05.2010)

"Bukowski beschreibt einen rastlosen Dichter, lässt Getskard die Uraufführung und das Scheitern des „Zerbrochenen Krugs“ erleben, der bei Publikum und bei der Kritik durchfällt wie ehemals das Kleist’sche Original. Getskard lebt die Extreme: Zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Himmelhochjauchzen und zu Tode betrübt, einen Menschen auf der Irrfahrt durch seine Zeit." (Marler Zeitung, 27.05.2010)

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