Nach zwei Inszenierungen seines Stückes "Der alte Tänzer und ich haben Liebe gemacht" in Darmstadt und Gießen sowie zweimaliger Teilnahme am Berliner Stückemarkt präsentiert sich der Stuttgarter Autor Tomo Mirko Pavlovic mit seinem Stück "Elternzeit", einer bitterbösen und hochkomischen Reflektion über Elterndasein, Prestigedenken, Migration und Generationsunterschiede, am Südthüringischen Staatstheater Meiningen. Meike Niemeyer, die schon in Gießen beim "Alten Tänzer" assistierte, inszenierte die Nachrichten aus einer durchgestylten Welt.
"Der Autor wirft einen schonungslosen Blick auf die geistige Verfassung unserer Wohlstandsgesellschaft, in der sich seine durchweg bildungsbürgerlichen Helden intellektuell entblößen bis zur Schmerzgrenze. Aber sonst: Alles bestens." (KULTURpur 02/10)
"Kritscher Kommentar klingt nach psychologischem Schauspiel oder bitterböse Komödie - beides ist es nicht. Wie ein Reporter blickt der Autor in die gestylte Loft-Wohnung zweier berufstätiger Mittdreißiger. Er ist erfolgreicher Key-Account-Manager, was so viel bedeutet wie Großkunden-Betreuer, sie Hausfrau. Was sie natürlich nicht Hausfrau nennt. Sie hat mal was mit Kunst gemacht, so genau weiß man es nicht, muss aber wegen dem Baby zu Hause bleiben. Nun, nach einem halben Jahr, wollen beide mal wieder ausgehen - doch daraus wird nichts, weil die zum Babysitten bestellten Freunde nicht eintreffen. Der Zuschauer ahnt die nahende Katastrophe: Verdeckte Konflikte brechen auf, es geht um Karrieren und Abstiegsängste, darum, dass nicht Liebe, sondern zufällig zueinander passende Lebenspläne das Paar bisher zusammenhielten und um ein Kind als Prestigeprojekt wie ein Auto oder ein Haus im Grünen.
Alles weit her geholt? Eine Frage, über die zu streiten wäre. "Social Fiction", sagt Meike Niemeyer, sei das Prinzip des Autors. "Das Stück übt eine deutlich überhöhte Gesellschaftskritik." Aber es ist wohl nicht die Besatzung von Raumschiff Enterprise, die da aufeinandertrifft. "Der Autor greift gesellschaftliche Tendenzen auf und dreht sie ein paar Jahre weiter", sagt Niemeyer. Man muss sich also sorgen machen. Denn die Lebensweisen, die Pavlovic beschreibt, sind von Gefühlskälte geprägt. Lauter kaputte Typen bleiben dort übrig, wo Menschen nicht nach Gefühl, sondern nach Berechnung handeln - so könnte ein wenig frei formuliert das Fazit des Stücks lauten." (Freies Wort, 17.02.2010)