Neues Stück von Rebekka Kricheldorf in Jena: Wie drei Schwestern in der "Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage" feiern

vom 20.10.2009


© Kiepenheuer Medien

Rebekka Kricheldorf hat sich auf Beutezug bei Tschechow begeben und aus Motiven Einsamkeit, Selbstbehinderung und Lebensüberdruss ein komödiantisches Destillat über eine Generation gewonnen, der alle Wege offen zu stehen scheinen... Seit Beginn der Spielzeit ist die Autorin Mitglied der künstlerischen Leitung am Theaterhaus Jena, wo Markus Heinzelmann bereits das Kricheldorf-Stück "Neues Glück mit totem Model" zur Uraufführung gebracht hatte.

"Irinas 28. Geburtstag ist schon vor'n Baum gegangen, als wir dazu stoßen. Die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga hängen noch rum im steril weißen Salon ihrer Villa "Dolorosa". Riechen wir Haschisch? ... Kricheldorf hat Tschechows tragische Figuren zu kuriosen Freaks angespitzt, die für zweieinhalb Stunden ihren Visionen vom Sinn und rechten Streben nachhängen wie leicht bekiffte Hamster im Laufrad. Das Bewusstsein hinreichend geweitet, um die traurige Enge des allermeisten Daseins zu begreifen. Aber zu wohlig schwer, um einen Finger zu krümmen. Es sei denn, der Wodka ist alle.
Es ist von Jahr zu Jahr der gleiche Schwachsinn. Oder derselbe? Frau Schuldirektorin Olga (Vera von Gunten) geht einzig und frustriert einer im landläufigen Sinne geregelten Beschäftigung nach. Mascha (Zoe Hutmacher): "Arbeit ist Schweiß und Brotebacken." Sie arbeitet folglich nicht, schrubbt ihrem Gatten die Fußböden und liebt heimlich Georg (Mohamad Achour). Studentin Irina (Saskia Taeger) schwänzt erst die Dialektik der Aufklärung, später die Mikroben. Und Präkariatsschwägerin Janine gebiert jedes Jahr ein Kindchen, das die leeren Bilderrahmen im Haus füllt. Es wird viel schwadroniert, dabei gealtert und der Tag gefürchtet, ab dem man Klopapierfutterale häkelt. Der dringend ersehnte Aufbruch, wohin auch immer, bleibt bekanntlich aus.
Kricheldorf hat ihren sehr frei aus Tschechows psychologisierendem Melancholierium etrapolierten, zeitgenössischen Durchschnittsversagern reichlich komische Wortspielereien in den Mund gelegt und eine spritzig pointengesättigte Satire geschrieben, an der Mimen wie Premierenzuschauer gleichermaßen ihren Spaß hatten."
Ostthüringer Zeitung, 16. Oktober

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