
Jan Neumann ist nicht nur ein Spezialist für Spielentwicklungen. Dass er einen besonderen Sinn für die Komödie hat, ist jedem Theater, dass sich bislang mit seinen Texten beschäftigt hat, nicht entgangen. Der Träger des Kasseler Literaturpreises für "Komische Literatur" ("Knolls Katzen"!) hat nun für das Mannheimer Nationaltheater eine zeitgenössische Komödie geschrieben, in der es um Stadtflucht, einen bankrotten Vater und ein vermeintliches CO-2-Endlager geht.
"Im Mittelpunkt stehen das Erbe, ein völlig heruntergekommener Bauer im Oderbruch, und das Gefeilsche daru," schreibt Armin Friedl in den "Stuttgarter Nachrichten". "Es geht um Endlagerstätten, um Altöl, um Umweltprotest - doch vor allem geht es um Unterhaltung, "Chihuahua" ist eine Boulevard-Komödie reinsten Geblüts, und so ist sie auch inszeniert: Kaum eine Minute vergeht ohne Pointe, entsprechend rasant ist das Ganze inszeniert."
Regie führt dabei der Autor selbst. Sein Text- und Inszenierungskonzept, so Manika Frank in der "Rhein-Neckar-Zeitung", versprühe "streckenweise ein Feuerwerk an Witz und Selbstironie, nicht zuletzt dank des glänzend disponierten und hingebungsvoll agierenden Ensembles." Und Anna Hahn ergänzt in der "Rheinpfalz": "Vom Sprachwitz über Slapstick bis hin zu klamaukigen Verkleidungsszenen hat der mitunter sehr temporeich erzählte, gut zweistündige Abend etliche Lacher zu bieten."
Als "Edelposse" bezeichnet Marcus Hladek Neumanns Stück in "nachtkritik": "Chihuahua" nennt sich Komödie und strahlt auch eine bittere Edelsüße ums Thema Aussteigen aus. (...) Andi führt sich in der Beerdigungsszene, die das Stück eröffnet, mit nuanciert ausgespielten Stadtneurotiker-Zügen als Berliner Seifenopernregisseur ein, dem die Fernsehverachtung Selbsthass einflößt. Also kommt ihm das Erbe ganz recht, um sich abzusetzen und Opas Anwesen zum Paradies auszubauen. Aber Andis naive Vorstellungen tragen das Scheitern in sich."