Im Dickicht der Märkte - Edoardo Erbas Wirtschaftssatire

vom 4.11.2011


© Volker Beinhorn

Mit seinem phantasievollen Stück "Maurer" hat man den italienischen Dramatiker Edoardo Erba zunächst wahrgenommen. Nun präsentiert die Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven ein weiteres Stück des in seinem eigenen Lande viel gespielten Autors, das sich auf furiose Weise mit den Gesetzen des Marktes und der Ökonomie befasst. Regisseur dieser "etwas anderen" Wirtschaftsanalyse ist Jan Steinbach, der eindrucksvoll unter Beweis stellt, wie und warum Erbas ökonomischer Kosmos manchmal rational und manchmal emotional reagiert.

"In Edoardo Erbas Stück „Verkäufer“ wird die brutale Welt des Gewinne-Machen-Müssens von Anfang an nicht nur als hohl, sondern auch als ziemlich verrrückt dargestellt. Im Grunde sind die harten Herren (es gibt noch den Supermarktleiter Monti) sowie Brigos Gattin Gloria und die drogenabhängige Tramperin Chiara von Anfang an Typen aus einer Commedia des Kapitalismus", schreibt Detlev Baur in der Deutschen Bühne. Das Stück stelle eine Herausforderung dar, "weil es einerseits die sechs Figuren recht genau beschreibt, sie aber andererseits sogleich verzerrt." Doch Regisseur Jan Steinbach "und das sehr geschlossen agierende Ensemble finden auf der großen Bühne des Theaters von Anfang an das richtige, rasche Tempo und das rechte Verhältnis zu den Gestalten."

Auch Andreas Schnell zieht auf "nachtkritik.de" eine positive Bilanz des Abends: "Auch wenn "Verkäufer" sich in einer Art Happy End auflöst, bei dem das Ensemble ausgelassen die sozialen Hierarchien abschüttelt, kommt der Abend wohltuend undidaktisch und moralfrei daher, bleibt im Kern eine gelungene Satire auf den homo oeconomicus in der freien und Marktwirtschaft. Der Applaus war verdient."

Nicht weniger Begeisterung vor Ort, bei Norbert Czyz in der "Wilhelmshavener Zeitung": Steinbach habe für Erbas Werk eine "sinnfällige Bildsprache gefunden". "Im ersten Teil, indem in vier Szenen die Gesetze des Marktes und die Verlogenheit der Protagonisten vorgeführt werden, in dem gemobbt und gelogen werden", entlarve er gängige Ritaule mit kabarettistischen Mitteln als hohle Phrasen."

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