Zusammen mit den Kollegen vom GRIPS Theater war Dirk Laucke an zwei Berliner Realschulen, in Kaulsdorf und in Zehlendorf, dem Leistungszwang auf der Spur. Wie in all seinen Stücken entschlossen, "harte Themen genauso anzusprechen wie Sehnsüchte", hat der Autor den Jugendlichen genau zugehört, auch der Stücktitel wurde von einem der Schüler geprägt: Stress! - Der Rest ist Leben. Im GRIPS gibts beides mal zusammen, meint Laucke.
"TeamworX nennt sich das Projekt, das eine gewisse "Harward Consulting Group" in Dirk Lauckes jüngstem Stück - uraufgeführt nun am Grips-Theater - an einer Realschule veranstaltet. Es ist eine Wettbewerb, pardon, Contest, bei dem die Schüler sich in Gruppen mit einem Konzern ihrer Wahl befassen und ihre eigene Geschäftsidee entwickeln sollen. Den Gewinnern winken Sachpreise, und, wer weiß, vielleicht ja sogar irgendwann mal Praktikumsplätze! "Schule ist ein Marktplatz der Möglichkeiten", so wirbt die Consulting Group. Nicht für die Schule, sondern für die Wirtschaft lernen wir, könnte man auch sagen. - Lauckes Text vermittelt von Beginn an ein Gefühl für die beklemmende Absurdität, die sich einstellt, wenn Vokabeln durch die neoliberale Tinte gezogen werden und der Leistungsdruck immer früher die Klassenverhältnisse bestimmt."
Tagesspiegel, 13. Februar 2010
"Es gibt eine ganze Reihe von Autoren die handwerklich solide, nicht gänzlich unspannende Stücke auf die Bühne wuppen... Aber nicht allzu viele verfügen über einen eigenen Ton, den man heraushören kann. Dirk Laucke ist ein solcher. Der Laucke-Sound ist schroff, ein bisschen hingerotzt, aber nie fies. Es ist der verzerrte Slang der Jugendclubs, getragen von einem (sozial-)romantischen Grundton. Ja, auch Laucke sucht den "verdammten Rest", das Leben im Abseits, Loser und Träumer sind die Helden seiner Stücke...
"Stress" ist ein packendes Dialogstück über den wachsenden Leistungsdruck an Schulen. Die Wirtschaft hat einen Ideenwettbewerb ausgelobt und nun reibt sich eine Schülergruppe um die Streberin Celi mit dem Branding für den Powerdrink "Energy" bis zum Nervenzusammenbruch auf. Anders Leons Band, die sich dem "Contest" entziehen will, wenn nur Julias Noten-Not nicht wäre..."
Berliner Zeitung, 15. Februar
"Das Stück kennt kein Patentrezept gegen Leistungsdruck, sondern bietet mit jeder der acht Figuren eine andere, stets ungenügende Bewältigungsstrategie. Die zusehenden Menschen ab 14 Jahren sollen in Grips-Manier eine eigene Haltung zu den Identifikationsangeboten entwickeln und vor allem erkennen, dass Stress systembedingt ist und nicht individuelles Versagen.
Ob diese Message beim jugendlichen Publikum ankommt, ist allerdings die Frage. Denn die Regie nimmt den Text recht sportlich: Frank Panhans lässt fünf Schauspieler - bis auf Timm und Feli in Doppelrollen - in Trainingsklamotten auf einem Spielfeld antreten: ..."
nachtkritik, 11. Februar
"Die fünf Darsteller Jennifer Breitrück, Nina Reithschuster, Sebastian Achilles, Jens Mondalski und Robert Neumann nehmen ... die Figuren nicht schwerer, als sie geschrieben sind, und machen die Themen nicht gewichtiger, als sie - inklusive der angedeuteten Möglichkeit eines Amoklaufes - gemeint sind. Da wird ordentlich auf die E-Gitarrensaiten gedroschen und dann vorsichtig die eigene Situation reflektiert, die den Schwächeren mit den schlechten Zeugnissen kaum Perspektiven bietet. Rucksäcke fliegen durch die Gegend, Elternsprüche gellen, im Chor gebrüllt, durch die Luft..., Laptops werden wie die Mäuler von gierigen Haien, die hinter den Nutzern hersind, auf- und zugeklappt. Das Bühnenbild von Birgit Schöne sieht mit gestrichelten Pfeilen und Punkten wie ein Spielbrett aus, über das die Jugendlichen - entgegen allem Ernst der Lage, der ihnen nur zu bewusst ist - turnen, meist frech und munter und sämtliche Regeln einfach ignorierend, um so Anspannung, Verzweiflung, Freude, Verliebtheiten zu artikulieren."
FAZ, 14. Februar