Ein paar turbinengeschredderte Nebelkrähen fielen zwar vom Bühnenhimmel, ansonsten aber kam es zu einer katastrophenfreien und punktgenauen Landung von Dirk Lauckes und David Richters neuem Stück "Start- und Landebahn" an den Städtischen Bühnen Osnabrück. Regisseur Jens Poth ließ während der knapp zweistündigen Flugzeit viel Komödiantik aufblitzen und setzte schließlich - den dramatischen Bogen spannend - mit nachdenklichen Tönen im australischen Outback auf.
"Auch wenn Laucke und Richter bei ihren Besuchen in Kursdorf keine Menschen angetroffen haben, ist ihnen doch ein packender und kurioser Text gelungen, der Figuren zeigt, die sich weigern, dem Fortschritt Platz zu machen. Da ist zunächst Darius. Ein Gepäckwagenschieber am Flughafen. Seine Frau ist mit den beiden Kindern schon längst geflüchtet. Doch er hält an seinem Haus fest. Sein Kumpel Bill träumt von einer Känguru-Farm und entführt Darius' Schwiegeroma aus dem Altenheim.
Bleibt noch Jenny. Die will trotz ihrer sechseinhalb Dioptrien Flugbegleiterin werden. Diese Figuren Verlierer zu nennen, wäre zu einfach. Schließlich kämpfen sie hart mit der Realität und weigern sich, zu unterliegen." (nachtkritik, 16.10.2010)
"Weniger rotzig-gereizt und aggressiv kommen die Personen daher als noch in „zu jung zu alt zu deutsch“, Lauckes letzter Osnabrücker Uraufführung, oder in „Ultras“, seinem Stück über fanatische, antisemitisch grölende Fußballfans im Theater Halle. Eher traurig und verloren wirken sie, zerrieben vom Mahlwerk gnadenloser Wirtschaftsprojekte, der Arbeits- und Perspektivlosigkeit. (...) Am Ende lässt es Poth apokalyptisch werden, ein glänzendes Gegengewicht zur vorherigen Dauer-Fröhlichkeit: Mit biblischem Zorn deklamieren die Darsteller das tragische Finale (während Bills Australien-Monolog unverständlich bleibt). Stellt sich die Frage: Ist das Geschichten-Erzählen momentan modisch auf lustig festgelegt, oder lässt sich dieses Zeitstück auch noch in anderen Tonarten nachspielen?" (Neue Osnabrücker Zeitung, 18.05.2010)