Als "meisterliches Ehedrama" bezeichnete die Süddeutsche Zeitung das Gastspiel des NT Gent. Die eindrucksvolle Inszenierung des Zweipersonenstückes der holländischen Autorin in der Regie von Johan Simons war im Juni in Köln und München erstmals auch deutschsprachig zu erleben und wird ab September in den Spielplan der Münchner Kammerspiele übernommen.
"Es ist zehn Jahre her, dass sich die beiden zum letzten Mal gesehen haben. Damals ist er mit zwei Koffern in der Hand aus der gemeinsamen Wohnung abgehauen. Die Scheidung folgte. Seitdem haben sie nichts mehr voneinander gehört – und treffen sich dort wieder, wo ihr gemeinsames Kind begraben liegt", fasst der Kölner Stadtanzeiger (6. Juni 2011)die Ausgangssituation des Stückes zusammen. "In „Gift“ von Lot Vekemans, das in der Halle Kalk gastierte, versucht sich ein Ex-Paar, verkörpert von Elsie de Brauw und Steven van Watermeulen, mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen. Wie sehr darf man Trauer zur eigenen Identität werden lassen? Wie wird man sie wieder los? Und überhaupt: Wie funktioniert das, das normale Glücklichsein? In dem Dialog unter der Regie von Johan Simons werden persönliche Schicksalsschläge zu allgemeinen, existenziellen Fragen. Durch einen unterschiedlichen Umgang mit der Trauer von einander entfernt, schimmert dennoch eine liebevolle Vertrautheit der beiden durch. Mit einem nötigen, humorvollen Abstand und zwei fantastischen Schauspielern, die scheinbar bis zur Erschöpfung emotionale Abgründe abbilden, begeistert das Gastspiel des NT Gent auf ganzer Linie.“
„Eine phantastisch präzise, schmerzliche und auch immer wieder irritierend lustige Aufführung", resümiert die Süddeutsche Zeitung am 9. Juni 2011. "Schon der Text ist sehr klug, skizziert die Trauer und die Vorwürfe, die aus ihr entstehen. Jeder reklamiert den größten Schmerz für sich, auch viele Jahre später. Der Mann scheint pragmatisch und ist es nicht. Die Frau scheint zynisch und will doch nur lieben. Auf der Bühne eine rohe Tribüne mit 16 Sitzen, die einmal gedreht wird, während ein kalter Wassernebel den Raum erfüllt. Mehr Ausstattung braucht es nicht."