Von Weimar in die Nachkriegszeit - Teil 2 des Autoren-/Regieprojektes am Nationaltheater

vom 7.10.2009

Xenia Noetzelmann als Hilde Benjamin
© DNT Weimar

Wie Text und Regie ineinander greifen, wie eine Autorin und eine Regisseurin zusammen arbeiten können, zeigt die Fortsetzung des Weimarer Projektes von Tine Rahel Völcker und Nora Schlocker. Nachdem das Kapitel Weimarer Kulturgeschichte vom Kaiserreich bis Buchenwald im April aufgeschlagen wurde (siehe unsere Meldung vom 28. April 2009) folgte nun der Blick in die Nachkriegszeit, der über Weimar hinaus in die Geschichte der DDR gerichtet ist und in dessen Mittelpunkt der Dichter und Kulturpolitiker Johannes R. Becher und die Justizministerin Hilde Benjamin stehen.

"Es geht um Weimar als geradezu mystischen deutschen Ort in seiner Beschwörung vom „klassischen Erbe“, seiner engen Verflechtung von Kultur mit Politik und seiner nationalen identitätsstiftenden „Wirkung“.
Die ambivalente Weimarer Vergangenheit zwischen 1917 und 1945 bildete die historische Folie für (K)EI(N)LAND, den ersten Teil der Studie, der im April 2009 Premiere hatte. Im zweiten Teil beschäftigen sich Tine Rahel Völker und Nora Schlocker mit den frühen Jahren der DDR. Wieder steht die Stadt Weimar und die politische Instrumentalisierung ihrer Mythen im Zentrum der Untersuchung." (Kulturkurier)

"Heimkehrer/Heimwerker", erlebte am Donnerstag seine Uraufführung. Nachdem sich Teil 1 mit der ambivalenten Weimarer Geschichte zwischen 1917 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges auseinandersetzte, knüpft Teil 2 nahtlos an, seziert den Neuanfang, Ideale und Ideologien der frühen DDR. Wieder dienen historische Figuren als Folie für skizzierte Charaktere: Becher, Florian Jahr als besessener, vom Selbsthass zerfressener Rebell. Walter Janka, Philipp Oehme als verbissen realistischer Aufrechter. Die "Rote Hilde" Benjamin, Xenia Noetzelmann als verbitterte Witwe und als qualmender Partei-Bluthund im Businesskleid, "nur der Feind sieht Fehler, wo nichts fehlt", herrscht sie, dabei agiert sie bedenklich nah am Abgrund. In der wie schon im ersten Teil schiefen Ebene (Bühne: Jessica Rockstroh) klafft ein Riesenloch. Schon die Akteure der ersten Stunde haben es aufgerissen, immer größer, so dass man sich bald fragte, worauf die Heimwerker denn überhaupt bauten." (Ostthüringer Zeitung, 5.10.09)

"Viel passiert in den zwölf Jahren bis 1957, die Autorin Völcker für den zweiten Teil abgesteckt hat, aber auf der Bühne geschieht verhältnismäßig wenig. Allein die Texte treiben die Handlung voran, und so erinnern einzelne Szenen an die antike griechische Tragödie, in der in einem Monolog gleich ein ganzer Krieg nacherzählt und zusammengefasst wird." (Thüringische Landeszeitung, 3.10.2009)

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