Wir sehen sie nicht, die Asiaten im LKW, ebenso wenig wie die Toten im Mittelmeer, die sich voller Hoffnung auf den Weg nach Europa machten. Aber sie sind präsent, jene wie diese, in Dirk Lauckes neuem Stück "Für alle reicht es nicht", aufgeführt in der Regie von Sandra Strunz am Staatsschauspiel Dresden als Eröffnungspremiere des vom Goethe Institut initierten Festivals "After the Fall". Ein beklemmendes Stück, das unser 89er Freiheitserlebnis in ein neues Licht rückt.
"Der 27 Jahre alte Laucke ist ein viel gefragtes Talent, seitdem er mit seinem Stück "alter ford escort dunkelblau" bewiesen hat, dass er wie kaum ein zweiter Figuren aus dem Niemandsland des Nachwende-Losertums ein sympathisches Gesicht geben kann. Das hat ihm wohl auch die Aufgabe beschert, das Eröffnungsstück fürs Festival "After the Fall" zu schreiben, mit dem das Goethe-Institut den 20. Jahrestag des Mauerfalls zelebriert - "feiert" wäre wohl kaum das richtige Wort, angesichts des eher skeptischen Blicks, den Laucke auf den Gang der Geschichte wirft." (Die Welt, 02.11.2009)
"Für Lauckes Loser sind nicht die Verhältnisse, nicht der Westen oder die Mächtigen schuld am Elend. Nach zwanzig und mehr Lehrjahren im Neoliberalismus kommen sie gar nicht mehr auf solche Gedanken. Solidarität oder wenigstens Nächstenliebe können sie sich nicht einmal mehr vorstellen. Vor ihren Nasen baumelt nur eine Wurst. Und die heißt Erfolg. Wer das nicht glauben will, wie Manuela, Heiners Tochter (Melanie Lüninghöner) aus dem Westen, der wird in den Laster gesperrt, zu den Fidschis, bis sie ruft: Ich bin nicht wie die. Der Liberalismus mordet nicht, er lässt diejenigen, für die es nicht reicht, einfach fallen. So gesehen hat Dirk Laucke das Stück zur Stunde geschrieben, in der sich der Phönix Neoliberalimus aus der Asche der Krise erhebt." (Nachtkritik, 31.10.2009)
"So startet am 31. Oktober in Dresden "Für alle reicht es nicht", ein Stück über zwei kleinkriminelle Zigarettenschmuggler. Eine von Lauckes größten Qualitäten wird sich auch dort zeigen: Er lässt keine Typen auftreten, sondern Menschen. Es sind Menschen, die wie Menschen auf der Straße reden - weil er ihnen genau aufs Maul schaut. Über abstrakte Probleme zu schreiben, vermeintlich gewichtige Themen, käme ihm kaum in den Sinn. Laucke schöpft seine Stoffe aus persönlichen Begegnungen, "ein bisschen wie ein Gonzo-Journalist", sagt er. Auch zwei Kippenschmuggler hat er mal kennengelernt." (Der Spiegel 45/2009)