Eigentlich wollte Helen Stiepel nur einen Bericht über die ungarische Partnerstadt schreiben, doch dann wird sie von ihrem Reisebegleiter und Chauffeur György - "Schorsch ist der deutschen Zunge genehmer" - in ein albtraumhaftes Ungarn geführt, in dem das Volk der Roma von paramilitärischen Einheiten gehetzt wird. Tobias Rausch inszenierte Dirk Lauckes aufwühlendes Rechercheprojekt am Theater Heidelberg.
"Und während Schorsch Helen an die Orte von Übergriffen und zu Betroffenen fährt, erfährt der Zuschauer im doppelten Wortsinn sehr viel, während sich die Schauspieler Florian Mania, Karin Dahmen und Volker Muthmann munter durch ihre vielen Rollen in diesen kleinen, erklärungsgesättigten Begegnungsszenen spielen. Über die rechtsextreme Jobbik-(Die Besseren)Partei, die mit Wahlparolen wie "Kampf gegen Zigeunerkriminalität" sofort 17% der Stimmen bekam, über die Kriminalisierung der zu Sündenböcken gemachten Roma, über einstige Judenverfolgung und heutige Hetze gegen Juden wegen "Versklavung der ungarischen Nation durch das internationale Finanzkapital", über Angriffe auch gegen Schwule, über paramilitärische Gruppen, die ganze Kleinstädte im faschistischen Griff haben, über Anschlags- und Mordserien, bei denen zuerst die Häuser von Roma in Brand gesetzt und dann die daraus Flüchtenden erschossen werden, über die Arbeit von Lehrerinnen mit Roma-Kindern...
"Das geht mir zu nah", sagt die überforderte Helen und fährt ohne irgendeinen Artikel nach Deutschland zurück.(...)
Die pausenlose, mehr als zweistündige Inszenierung von Tobias Rausch trumpft nie auf, sondern ist in gutem Sinne dem Thema angemessen."
(Hartmut Krug in "nachtkritik", 16.06.2012)
"Theatralische Qualität und investigativer Ertrag" halten sich gemäß der Kritik in der Rhein-Neckar Zeitung "sehr schön die Waage" und auch der Manheimer Morgen findet Dirk Lauckes Ansinnen "Aufklärung zu betreiben" für "absolut berechtigt".
Auf weitere Aspekte des Stückes kommt Jürgen Berger in der Süddeutschen Zeitung (20.06.2012) zu sprechen. Laucke entwickele "die eher komische Geschichte einer misslingenden Recherche". Dem schwergewichtigen Hintergrund verleihe er viel Leichtigkeit, "indem er Helens Reise ins dunkle Herz Ungarns" nach dem Prinzip funktionieren lasse: "Typen kommen und gehen, die Journalistin guckt und staunt." Laucke habe auf keinen Fall in die Folklore-Falle tappen wollen und umgehe die Gefahr, "indem er sachliche Berichte von Ausschreitungen gegen Sinti und Roma in der ungarischen Provinz einstreut".