Komödie
4
Damen,
3
Herren
Kunstprofessor Jürgen Wituschinski, aalglatter Think-positive-Typ mit
studentenbewegter Vergangenheit, ist unter Beihilfe einstiger Gesinnungsgenossen
ausgezogen, um in Berlin sein Glück zu machen: Professur mit C4-Gehalt, frisch
aufgemotzte Nobelwohnung, dazu passende Lebensabschnittsgefährtin, Steffi Seif,
Atemtherapeutin. Alles könnte so schön sein. Doch jetzt sitzen die beiden samt
ihrer Antiquitäten auf der Straße. Denn in der Wohnung hat sich Handwerker
Ziegelmann breitgemacht. Hatte, weil er, von Chefmaklerin Rita Pusch um
Arbeitslohn und längst versprochene neue Bleibe geprellt, die steinalte Haus-
und Wohnungsbesitzerin Lorch unter dem Vorwand der anstehenden Rekonstruktion in
den Hausflur, offiziell jedoch gleich auf den Friedhof umziehen lassen. Die
nichtsahnende Immobilien-Rita schiebt die Wohnung ihrer Kunst- und
Studentenbeziehung Wituschinski zu, während Ziegelmann mehr an seine Geschiedene
gedacht hat, als Ausgleich für überfällige Alimente. Recht eigentlich aber will
er endlich mitverdienen am großen Geschäft mit der Wohnungsnot. Also kassiert er
nach bewährtem Pusch-Vorbild bei anderen Bewerbern Kaution und Abstandgeld für
die längst vergebene Komfortbleibe ab. Wo Geschäftsinteressen so knallhart
kollidieren, ist für dramatischen Zündstoff reichlich gesorgt. Und in
Feydeauscher Manier überschlagen sich die Ereignisse. Durch eine landesweite
Wohnungsenteignung wird am Ende ein alter 68er-Traum wahr - jeder darf nun
mietfrei wohnen, wo er gerade lebt. Nur Witu würde jetzt alles für ein winziges
Fleckchen Zuhause geben.
Mit Witz und starken Dialogen läßt Huonder die Vertreter einer Generation, die
einst die Welt aus den Angeln heben wollte, sich selbst entblößen, als betrogene
Betrüger. Ganz schön übel spielt er den inzwischen etablierten Ex-68ern mit, die
nur noch Ordnung, Ruhe und ihre "Tagesschau" wollen. Hamburger Morgenpost
28.4.1997.
