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Simone Schneider

Malaria

3 Damen, 4 Herren

MALARIA ist eine Ost-West-Farce, die die Vereinigungs-Klischees wörtlich nimmt.
Das Stück erzählt eine Geschichte vom Aufbau und von Bruder und Schwester, die
endlich "zusammenwachsen". Und natürlich trägt sich das alles auf der
Großbaustelle Berlin zu, unweit jener Mauer, die einst die Welten trennte. Doch
ob Ost oder West, Arm oder Reich, Arbeitsloser oder Großinvestor, was alle sechs
Figuren paarweise deutsch-deutsch verbindet, ist ihre Orientierungslosigkeit.
Einsam tappen siedurchs Leben, fühlen sich unbehaust wie auf einer Baustelle.
Eingerüstete Menschen, ihre Weltsicht tapeziert mit Klischeebildern, die die
Autorin mit einem Blick auf Menschheitsgeschichte und -mythen immer wieder
ironisch konterkariert.
Mitten in Berlin also, "der größten Goldgrube im Herzen Europas", beginnt die
Liebesgeschichte zwischen Isa und Dionysos mit dem Sturz in eine Baugrube. Das
ist genau der Kick, den Isa, gerade erst 18 und frisch zugereist, braucht, um
sich von Papa Kettling loszueisen. Der joblose Dionysos aber hockt am liebsten
allein Gitarre klimpernd und in Mamas Ziegenfell gekuschelt in seiner Bude in
dem baufälligen Haus im Osten der Stadt, das wegen der bevorstehenden
Besitzstandsklärung - ausgerechnet durch Geschäftemacher Kettling - inzwischen
nur noch von Mania und Michel mitbewohnt wird.
Auch diese beiden sind ohne Arbeit und mit gestrandeten Visionen in Hass-Liebe
vereint. In panischer Angst vor dem Verlassensein dreht Kettling Isa den
Goldhahn zu, während Mania nachdrücklich bei Dionysos Trost sucht. Aber dann
werden Isa und Dionysos doch ein Paar und beziehen das Dachgeschoss im nobel
sanierten Haus. Zum Entsetzen seiner Mutter ist Dionysos inzwischen zum
isablonden Juppie gestylt und von sexueller Spätzündung befreit. Und während er
mit seiner frisch Angetrauten ins Schlafgemach entschwindet, finden auch die
Elternhälften Gelegenheit, sich zu begegnen. Sofort erkennt Elisabeth in
Kettling den Vater ihres Sohnes wieder, den sie einst auf einer Dienstreise in
den Westen kennen lernte. Doch Isa ist bereits schwanger. Die Lebenschance für
diesen deutsch-deutschen Nachwuchs liegt wohl eher in jener nichtverwandten
Elternhälfte. "Umbringen", meint Dionysos, "können wirs immer noch".

Uraufführung: 19. März 1998 Hamburg, Deutsches Schauspielhaus
Genre/Kategorie:  Schauspiel
eingetragen am 27.3.2001

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