3 Damen, 5 Herren
Eine illustre Gesellschaft gestrandeter Existenzen hat Lydia, die "Gräfin" auf
ihrem (Hinter-)Hof versammelt: Mädel hängt an der Flasche und Karnap an der
Nadel, Maria verkauft sich und manchmal auch Pommes rot-weiß, den Jürgen haben
Unterhaltszahlungen auf Null gebracht und ein vom Krebs zerfressenes Wesen, das
auf den Namen Conni hört, will selbst nicht wissen, ob es Männlein oder Weiblein
ist. Schließlich gibt's da auch noch Stocker, der sich als Postbeseitiger auf
Honorarbasis von fremden Briefen inspirieren lässt. Der Möchtegernpoet ist
neuerdings aufs Dramatische verfallen. Elend liegt gut in den Charts und dem
Sozialamt wohldotiert am kulturellen Herzen.
Also haben Lydias Überlebensgenossen beschlossen, das eigene Dilemma
lustvoll-gewinnbringend in Szene zu setzen. Da hat endlich einmal jeder
was zu tun und Lydia behält die Übersicht, nicht nur bei den Theaterproben.
Denn dass sich einer ihrer Schützlinge selbständig machte, weiß die Alte
um jeden Preis zu verhindern. Fast hätte die schwangere Filis, ein lebensmüder
Neuzugang, diese Untergangsgesellschaft aus den Angeln gehoben. Aber das geht
nur über Lydias Leiche... Bukowski nennt sein Stück ein
groteskes Panorama zum Ende der Schonzeit.
