2 Damen, 2 Herren
Hintergründig und sensibel erzählt Kristo Sagors neues Jugendstück von den
Schwierigkeiten einer Familienzusammenführung, vom Erwachsen- und
Verlassenwerden und von der manchmal unerträglichen Spannung zwischen Nähe und
Distanz in den menschlichen Beziehungen.
Mutter Doris ist dem Wahnsinn nahe und auch der 14jährige Marek versteht die
Welt nicht mehr, denn seine Schwester Svantje ist direkt nach ihrem 18.
Geburtstag von zu Hause abgehauen - ohne Vorwarnung und ohne eine Nachricht zu
hinterlassen. Dabei hatte sich die große Schwester besonders rührend um ihn
gekümmert als er traumatisiert durch einem schweren Autounfall, bei dem Marek
auch seinen Vater verlor, alles neu erlernen musste. Sicher, Doris hatte die
kleine Idylle aufgebrochen als sie sich entschloss, ihren neuen Freund Holger
und dessen 13jährige Tochter Nele in die Wohnung zu nehmen. Jetzt motzt Nele
gegen die überspannte Doris, die Marek wie einen Behinderten behandelt, den es
vor dem Leben zu schützen gilt. Marek selbst hat sich vor den schwelenden
Konflikten und auch vor Holgers Näherungsversuchen in Tagträume geflüchtet.
Diese Nele allerdings interessiert ihn. Die Situation eskaliert als herauskommt,
dass Svantje offenbar bei einem "älteren Mann" ist, dem die eine Hälfte der
Familie besonders nahe steht... Ein Lügengespinst fliegt auf und zerlegt das
wohlgebaute Familienpatchwork wieder in seine Einzelteile.
"Bei Kristo Sagor läuft alles etwas raffinierter und hintergründiger ab, als es
zunächst den Anschein hat. ... Eine tolle Uraufführung eines spannenden,
facettenreichen Stücks."
Alexander Schnackenburg, Weser Kurier, 28. Mai 2001
"Ein besseres Thema könnte sich ein Kinder- und Jugendtheater wie MOKS kaum für
eine Auftragsarbeit wünschen. Es ist maßgeschneidert für das Zielpublikum, denn
fast alle Jugendlichen und Erwachsenen können eigene Erfahrungen in einem der
vier Protagonisten gespiegelt sehen. ... Es wird dem jungen Publikum nicht
leicht gemacht, man muss hier schon genau zuhören und .. die komprimierte
Sprache ist für viele sicher gewöhnungsbedürftig, aber der Aufwand lohnt sich.
Dieses Stück könnte bei einigen eine starke und lange Liebe zum Theater wecken."
Wilfried Hippen, TAZ Bremen-Kultur, 28.Mai 2001
