Simon (81) ist Vater von Lea und Isaac, Leas Halbbruder und Pflegekind. Denn Isaacs Mutter Dory, eine gefragte Geigerin, inzwischen zum zweiten Mal mit Nico, Leas letztem vom drei Exmännern verheiratet, hat eigentlich nie Zeit ... Ein kompliziertes, 14 Personen starkes Beziehungsgespinst wie in der griechischen Mythologie webt Judith Herzberg in ihrem mehrteiligen, feinnervig verknüpftem Panorama einer jüdisch-holländischen Familie. Das neue Stück SIMON rundet die Chronik, die den Zeitraum zwischen 1975 und 1998 umfasst, zur Trilogie. Aber wie schon die Vorläufer LEAS HOCHZEIT (1982) und HEFTGARN (1996) hat dieses dritte Stück auch allein Bestand auf der Bühne – die UA in Düsseldorf lieferte dafür einen beredten Beweis.
Das betagte Oberhaupt der bizarr verzweigten Familie fühlt sich nach dem Tod der Ehefrau Ada krank und müde. Alpträume und Erinnerungen drängen in Simons Gegenwart, in der die Familie um sein Krankenbett versammelt ist. Streiflichtartig, in knappen Szenen erhellen sich Familienbande, -knoten, -brüche, offenbart sich das Eigenleben der Figuren aus drei Generationen – jede auf sehr eigene Weise geprägt vom Geist ihrer Zeit und von der jüdischen Vergangenheit. Judith Herzberg hat hier ein szenisches Kaleidoskop voller Sensibilität und Witz und von großer poetischer Kraft entworfen.
In die vielen kleinen Begebenheiten zwischen Männern und Frauen, Eheleuten und Exeheleuten, Eltern und Kindern, die Judith Herzberg in fünfundfünfzig Szenenschnipseln und in einer lyrisch geschulten Sprache zu einem farbigen Familienpanorama verknüpft, dringen immer wieder die Geister der Vergangenheit. Dabei erweist sich der vermeintliche Leichtsinn der Autorin als ihre besondere Kunst: Indem die große Geschichte in jedes einzelne Individuum und dessen Alltag geführt wird, exponiert sie das Stück gerade nicht als großes Thema, das, problembewusst und politisch korrekt, zu behandeln wäre, sondern erklärt es als Teil des Lebens.
FAZ, 27. Februar 2002
Ein Kunst-Stück voll irritierender Kapriolen und Konstellationen, wie ein komplexes Gemälde, das man aus stets neuer Perspektive betrachten darf.
Westfälische Zeitung, 25.Februar 2002
Es sind die alltäglichen Dinge, die Judith Herzberg das Material für ihre Familienszenen liefern. Dem Nahblick auf die Fährnisse des Alltags gesellt sich der Fernblick hinzu, die Erinnerungen an die Geschichte der europäischen Juden... Doch SIMON ist, wie auch die beiden früheren Stücke, kein Klagelied, sondern eine überaus leichte, von Komik und Charme getragene Erzählung, deren Auf und Ab, deren Wendungen und Schattierungen den Zuschauer mit einer fast meditativen Kraft in ihren Bann schlagen.
Ticket, Köln, 29.3.-4.4. 2002
Sprechtheater
- Schauspiel
| Uebersetzer: | Judith Herzberg, Peter Hailer, Michael Volk |
| Damen: | 7 |
| Herren: | 7 |
| Ua: | 23. Februar 2002 Düsseldorfer Schauspielhaus |
| Bestellnr: | 1340 |
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