1 Dame, 3 Herren
Weimar zwischen den Jahren 1917 und 1945. Der Dichter Johannes R. Becher steht vor dem finanziellen, gesundheitlichen und schöpferischen Nichts. Malerin Elfriede Lohse-Wächtler wird von Mann und Familie als schizophren und unheilbar geisteskrank in eine Anstalt eingewiesen und schließlich von den Nationalsozialisten ermordet. Kunstkritiker Hans Severus Ziegler sieht sich als Kulturpolizist ohne Behörde und legt der ambitionierten Jungschauspielerin Lena ausschließlich das Spielen deutscher Dramen und Auftritte im Buchenwald ans Herz. Und Hans Wahl fleht Goethe um Hilfe an, nachdem das Goethehaus, frisch hergerichtet und von Hitler persönlich finanziert, zerbombt wurde.
Die Autorin stützt sich auf repräsentative Biographien der Kultur einer Zeit, in der man sich entscheiden musste zwischen linkem oder rechtem Rand des intellektuellen Spektrums. Tine Rahel Völcker hat mit (K)ei(n)land ein Stück über deutsche Identität in der gebrochenen Weimarer Republik geschrieben, in der der Versuch einer Positionierung innerhalb und gegenüber dem System und das Vertreten eigener Ansichten das Leben kosten konnte. Die Krankheit Weimar wird hier eindrucksvoll diagnostiziert – 90 Jahre nach der Gründung jener Republik, die an ihr zugrunde ging.
