Novarina, Valère

Brief an die Schauspieler

1 Herr

"Vielleicht beginnen alle Revolutionen in Vororten... Im Herbst 1973 wird in Frankreich das Stück eines Autors geprobt, dessen Werke bislang kein Verlag für druckfähig hielt: Weil ihnen der Mund verboten ist, beginnt eine Gruppe von Menschen zu lernen mit dem Anus zu sprechen, eine subversive Sprache, die aus ihren Eingeweiden kommt. Wie es den Schauspielern bei den ersten Schritten zu dieser Uraufführung wohl ergangen ist? Dem Regisseur jedenfalls kommt das Verdienst zu, den Autor des Stücks während der Proben als Störenfried aus dem Theater geworfen zu haben. Sonst hätte Valère Novarina vielleicht nie seinen "Brief an die Schauspieler" geschrieben. Heute, ein Vierteljahrhundert später, gibt es kaum einen französischen Schauspielschüler, der diesen Brief nicht in die Hand bekommen hat. (...)
Wenn im Theater der Autor der Anfang ist, der Mund, der den Text als erster einfängt, so ist wohl der Schauspieler der Ausgang, der Anus samt Eingeweide, durch die der Text läuft. Alles, was dazwischen liegt und Autor und Schauspieler trennt, bei Novarina wird es aufgehoben, er stellt die Verbindung zwischen ihnen wieder her. Sein Theater ist nicht in erster Linie eines für Regisseure, und jener, der den Autor 1973 aus dem Theater warf, hat wohl in Wahrheit sich selbst vertrieben."
Leopold von Verschuer, aus dem Vorwort zur griechischen Ausgabe von "Brief an die Schauspieler" und "Für Louis de Funès"

Übersetzer: Douvier, Katja / Verschuer, Leopold von
Originaltitel: Lettre aux acteurs
Originalsprache: Französisch
1 Darsteller
Aufführungsgeschichte: DSE: 11.03.2006 Düsseldorf, Schauspielhaus
Genre/Kategorie:  Monolog

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