Jess Jochimsen

Und draußen blüht es dir...

1 Herr

„Was sollen die Leute denken. Von klein auf wurde mir dieser Satz, dieser Generalvorwurf, eingeimpft. Bis ich vergessen habe, dass das im Grunde eine Frage ist.“
Auf dem allumfassenden Markt der Eitelkeiten lässt sich der moderne Mensch als „Selbstdarstellungsbeamter“ bezeichnen, der sich nur noch so verhält, wie es von ihm erwartet wird, der die Frage, was die Leute denken sollen, nicht als Kernsatz aller Ideologie begreift, sondern als Leitfaden seines Facebook-Profils.
Ein Mann sitzt auf der Bühne und geht den Formen der „fremd geleiteten Selbstdarstellung“ nach. In einem atemlosen Monolog legt er alles offen, was sein Dasein auszumachen scheint. Er spricht von seinen Zwängen, Ängsten und Niederlagen, von Hobbys, Hunden, Gartencentern, seinem Kind, von Gott und immer wieder von Günther Jauch. Dem Wahnsinn nah, redet er sich buchstäblich um seine Existenz; das einzige, das ihm sicher ist: er muss drinnen bleiben, denn draußen blüht ihm das Leben.
Doch so grotesk, tragisch, anrührend-komisch und notwendig brutal das im Einzelnen ist, es lässt sich nicht verhindern, dass dabei immer wieder jener kurze Moment unerhörten Glücks beschworen wird, in dem es scheißegal ist - was die Leute denken.

„Als wären Thomas Bernhard und Ekel Alfred noch mal jung.“
Badische Zeitung über eine öffentliche Lesung dieses ersten Theaterstückes des Autors, Kabarettisten und Fotografen Jess Jochimsen im August 2009

1 Darsteller
Aufführungsgeschichte: UA: 04. Juni 2011 Theater Rampe, Stuttgart
Genre/Kategorie:  Schauspiel

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