Peter Schanz

Aloha Therese!

Bevor Therese Heyne, die Göttinger Professorentochter und Universitätsmamsell, als Therese Huber erfolgreich den Schriftstellerinnenbesuch lebte, war sie als Therese Forster acht Jahre mit dem Südseereisenden Johann Georg Forster verheiratet: Zwei so eigensinnige wie faszinierende Menschen scheitern dramatisch in einer abenteuerlich geführten Ehe voller schlagender Funken und fliegender Fetzen. Aloha Therese! dockt einerseits regional an die in Göttingen beheimatete „völkerkundliche“ Cook-Forster-Sammlung an, setzt sich mit Entstehung und Nachwirkung der Südsee-Sehnsucht in mitteleruopäisch bzw. südostniedersächsisch grauen herzen und Hirnen auseinander und jongliert dabei hemmungslos mit den einschlägigen Klischees. Andererseits wird eine beeindruckend heftige Emanzipationsgeschichte erzählt: wie Therese zunächst glaubt, ihrem Gatten Georg Forster für dessen Welterforschungsfuror im Privaten zur Verfügung stehen zu müssen – dann nicht nur erkennt, dass der Mythen-Bausatz der sets bereiten, schönen, jungen, unschuldigen Wilden obsolet ist, sondern auch, wie der gatte zunehmend Schaden stiftet und nimmt. So beginnt sie schließlich ihr fortschrittliches Engagement in einem freien, selbstbestimmten leben.
Aloha Therese! erzählt eine Paarungs-Geschichte von Liebe und Politik: engagiert, witzig, vorübergehend romantisch, wild, ergreifend, kämpferisch. Und findet sich damit plötzlichmitten in der aktuellen Debatte wieder um die überfälligen Korrekturen im Umgang mit unserem postkolonialen Erbe.
Peter Schanz

Aufführungsgeschichte: UA: 12.04.2019 Göttingen, Junges Theater
Originalsprache: Deutsch
Genre/Kategorie:  Schauspiel

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