Dirk Laucke

Eiserne Liebe

Beitrag zum Projekt „Identität Europa“: Acht Monologe aus acht Ländern
1 Herr

„Eiiisern Union! Immer wieder ganz nach vorn...“ Angefeuert vom sagenhaften Aufstieg in die Bundesliga und durch die Fangesänge seines Ostberliner Traditionsvereins FC Union liefert Maik seinem 11jährigen Sohn für den alles entscheidenden Schulaufsatz über „DDR-Geschichte“ einen handfesten Zeitzeugenbericht. Authentische Fakten und Gefühle gegen die Geschichtsklitterung in Sohnemanns Hochglanzschulbuch. Wenn das nicht der Zugangsschlüssel zum angesagten biodeutschen Gerhart-Hauptmann-Gymnasium ist?! – übrigens ein Dichter mit Nazivergangenheit, stellt Maik klar. Er erzählt vom schlagkräftigen Antifaschismus des Großvaters und von der dumpfen Orientierungslosigkeit vieler AfD-Sympathiesanten, von finanziell selbstbewussten DDR-Facharbeitern und von der eigenen prekären Künstler-Existenzheute, von verarschten Wendeverlierern wie seinen Eltern und Bullshit-Erfolgsrezepten. Für Maik hat das alles wenig mit Identität, dafür viel mit Haltung zu tun. Aber hört der am Computer daddelnde Sohn ihm überhaupt zu? Die Frontlinien der Debatten um Europa machen sich am Pro und Contra um ‚Nationalstaatlichkeit‘ einerseits oder ‚europäische Zentralregierung‘ andererseits fest. Oder an dem Streit um dieÖffnung oder Schließung der Grenzen. Sie durchziehen nicht nur den Kontinent, sondern jedes einzelne Land. Manifeste positionieren sich auf der einen oder anderen Seite. Großbritannien steht kurz vor dem Austritt aus der EU. Oder vielleicht doch vor einem neuen Referendum? Das italienische, polnische und ungarische Verhältnis zur EU kriselt. Was bedeutet uns die europäische Gemeinschaft gegenwärtig? Wo fühlen wir uns wirklich zu Hause? In unserer heimischen Landschaft oder als Kosmopolit*innen in Europa und der Welt? Acht Autor*innen denken über diese Fragen nach. Sie lassen Europa selber sprechen, reflektieren 30 Jahre geeintes Deutschland, schauen auf die neuen Konstellationen des Kontinents und überlegen, was Theater bewirken kann in Zeiten großer sozialer Veränderungen. Anlass für dieses gemeinsame Projekt ist das 300-jährige Bestehen des Staates Liechtenstein, der mitten im Herzen des Kontinents liegt.
Deutsches Nationaltheater Weimar

Originalsprache: Deutsch
1 Darsteller
Hinweis: Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar und Les Théâtres de la Ville de Luxemburg
Aufführungsgeschichte: UA: 14.09.2019 Liechtenstein, TAK
Genre/Kategorie:  Monolog, Schauspiel

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