Eine ganze Welt im Ziegelbeton-Hohlblockstein

vom 1.10.2018


Bild: Felix Grünschloß

Mit seiner neuen Spielentwicklung am Schauspiel Frankfurt entführt uns Jan Neumann in die Wohnung Schubertstraße 45, 2. OG links. Und in den Räumen dieser Wohnung entfacht er einen Bühnenzauber, der Zeitgeschichte, Erinnerungen, Menschliches und Allzumenschliches, Trauer, Zuversicht und Vergänglichkeit wunderbar verwirbelt. AUS STAUB ist Zeitstück, Traumstück, kleine Flucht - in eine Welt des Theaters, die unmittelbar mit uns zu tun hat.

Jan Neumann hat mit „Aus Staub“ ein im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaftes Frankfurt-Stück entwickelt, das die großen Dinge im Kleinen und die kleinen Dinge im Großen findet. Bei der Uraufführung im Kleinen Haus gewinnt man den Eindruck, dass das komplexe Wesen Mensch in mancher Hinsicht den Steinen ähnelt, in denen die Trümmerverwertungsgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg Baumaterial aus mehreren Jahrhunderten zusammengepresst hat: Denn auch in Menschen lebt Vergangenheit fort.
Für sein wunderbares Stück presst Neumann gewissermaßen unterschiedlichste Menschen und Zeiten zusammen: Ausgangspunkt ist eine Mietwohnung im Westend zwischen der Nachkriegszeit bis zu ihrem Abriss im August 2018. Ihre Bewohner erwecken die zu jeder Zeit wichtigen Themen zu Leben: Wiederaufbau und Wirtschaftswunderzeit, Häuserkampf, Wiedervereinigung, Nine Eleven. (...)
Es ist ein kleiner theatraler Glücksfall, wie Neumann mit nur sechs Schauspielern so viel Welt und Leben einfängt. Und das, obwohl weder Figuren noch Bühnenbild naturalistisch sind, sondern im Gegenteil das Machen und Entstehen immer wieder gezeigt wird.
(Frankfurter Neue Presse, Bettina Boyens und Astrid Biesemeier, 01.10.2018)

Angesprochen werden Studentenrevolte und Feminismus. Abtreibung und Masturbation. Kalter Krieg, Eiserner Vorhang und Wiedervereinigung. Kriegszerstörung und 9/11. Gastarbeiter und in den deutschen Osten beförderte Wessis. Raubtierkapitalismus und Islamismus. Wohnungsknappheit und sogar irgendwie auch Luftverschmutzung. Trotzdem wirkt das Stück nicht überfüllt und nicht unplausibel, dass sich über die Jahrzehnte – die eine zog aus, der andere zog ein – manches an Ansichten und Ereignissen zutrug in der Schubertstraße 45.
Manchmal kommt ein melancholischer Grundton durch – Staub legt sich auf Staub und zuletzt wird das alte Haus abgerissen -, aber Jan Neumann lässt zwei pausenlose Stunden mit leichter Hand und dem rechten Maß an Witz und Ironie vergehen.
(Frankfurter Rundschau, Sylvia Staude, 01.10.2018)

"Nach knappen zwei Stunden braust Applaus auf, den alle verdient haben", schreibt Claudia Schülke in der FAZ vom 1. Oktober 2018, der Autor und Regisseur Neumann, der schon unter der Intendanz Elisabeth Schweegers beeindruckende Produktionen in den Frankfurter Kammerspielen aufgeführt hatte, sei erfolgreich zurückgekehrt.

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