Brandaktuell: Eine Familienaufstellung Ost

vom 7.5.2019


Bild: Hans Ludwig Böhme

WER SEID IHR – schockiert richtet die junge linke Aktivistin Lisa diese titelgebende Frage an ihre Eltern und den Onkel, die zu Hause in Sachsen eine Gastwirtschaft betreiben. „Wir sind das Volk“ sagen die und laufen mit Pegida durchs Dorf. In Oliver Bukowskis neuem Stück, das er für die Landesbühnen Sachsen Radebeul geschrieben hat, prallen links und rechts, „vor der Wende“ und danach, jung und alt und deren Hoffnungen und Enttäuschungen heftig und pointiert aufeinander. Bis zum brutalen Stück-Ausgang hat das Team um Regisseur Tom Quast das temporeich und nah am Zuschauer inszeniert.

Presse:
„Oliver Bukowski, aufgewachsen in der Lausitz, in Berlin lebend, bringt aktuelle Konflikte auf den Punkt. Wie schon in „Birkenbiegen“ fragt er: Folgt auf die „rote Vergangenheit“ im Osten die „braune Zukunft“? Die Sprache ist bissig, bodenständig, zupackend, witzig und dialektgefärbt. Sein Herz schlägt für die sozial Schwachen und Abgehängten. Für die Ostler und ihre brachliegenden Talente. Das Stück setzt ganz auf Dialog. Fünf Figuren treffen aufeinander, der Riss geht durch die Familie. Sie schenken sich nichts, die Argumente werden spontan ausgetauscht, mal flach, mal tief.“
Sächsische Zeitung, Rainer Kasselt, 29. April 2019

„Doch Bukowski wäre nicht Bukowski und das Stück keinen Theaterabend wert, wenn es bei dieser plakativen Konfrontation bliebe. Es zeigt sich, dass die Motive dieser bieder-hausbackenen, aber keineswegs doofen Familie Heuser so vielschichtig liegen, dass sie Anerkennung und Widmung verdienen. So, wie auch Lisa im packenden Spiel von Sophie Lüpfert gleichermaßen als überzeugte Kämpferin gegen „knuffige Nazis“ wie auch verletzbare Tochter erscheint.“
nachtkritik, Micheal Bartsch, 27.April 2019,

„Aufhängen“, „Absaufen“, die Sprüche nach Art sächsischer Willkommenskultur reibt Lisa ihrer Familie ungeschönt unter die Nase und noch so manch anderen Vorwurf. Auch ein Stück gnadenloser Geschichtsaufarbeitung Ost aus Sicht der glücklich Spätgeborenen, das Autor Bukowski hier auf Familie und Publikum einprasseln lässt.“
Kultur extra 4, das online-magazin

„ … ansonsten sieht Bukowski genau und oft analytisch hin. Am Frühstückstisch wird ein Pegida-Aufmarsch „wie’n Kirchgang“ beschrieben, entspinnt sich zwischen Mutter und Tochter der verbale Schlagabtausch „Im Osten war nicht alles schlecht“ – „Den Spruch haben jetzt die Faschos“ – „Was darf man denn überhaupt noch sagen“. Da sind die leider allzu bekannten rechten Parolen längst im normalen Sprachgebrauch gelandet und Lisas „Die sind nicht blöde, das ist ja das Problem“ zeigt die verbale Gegenseite. Fast zu viel packt Bukowski in sein 80 Minuten kurzes Drama hinein, aber zum Glück verfallen weder Tom Quaas noch die ausgezeichneten Darsteller in die Klischees, die das Stück auch ausstellt.“
Deutsche Bühne, Ute Grundmann, 27. April 2019

„Geschickt verteilt der Autor mögliche Argumente und bietet damit Anknüpfungspunkte für jedermann an den geplanten Spielorten draußen. (…) Das Gleichgewicht der Argumente, die demonstrierte Meinungsfreiheit, kippt tatsächlich in ein Menetekel, in die Warnung vor den Konsequenzen des ganz normalen Rechtsseins.“
nachtkritik, siehe oben

„Dann brennt die Kneipe nieder, und Lisa wurde, wie eine Handy-Aufnahme zeigt, von Rechtsradikalen zusammengeschlagen. Die Hemmungen sind gefallen, tiefe Betroffenheit. Eine Aufführung, die viel Zündstoff bietet, manche Fragen offenlässt, beunruhigt und aufrüttelt.“
Dresdner Morgenpost, Lilli Vostry, 30. April 2019

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