Zum Tod von Simone Meyer

Sichtbar vom All

vom 28.1.2021

Bild: Karoline Bofinger

Stimmen und Zwischenwelten waren ihr Sujet und das Hörspiel ihr bevorzugtes Medium. Simone Schneider, später Simone Meyer, wechselte vom Hörspiel über das Theater zum Fernsehen. Im Alter von 58 Jahren ist sie am 22. Januar an den Folgen einer schweren Erkrankung gestorben.

Anfang der 90er Jahre begann sie mit Texten für das Hörspiel und kam sehr früh mit Hörspielregisseuren wie Klaus Buhlert, Ulrich Gerhardt und Jörg Jannings zusammen. Sie galt als eine der „interessantesten Entdeckungen“ (Deutschlandfunk) des deutschsprachigen Hörspiels. Nur knapp verpasste sie 1992 den Hörspielpreis der Kriegsblinden für „Roter Stern“, ihre Auseinandersetzung mit der Utopie des Sowjetstaats. Unvergessen ist auch ihr Hörspiel „Vogel Kleist“ mit Angela Schanelec und Ulrich Wildgruber, in dem das Paar Henriette Vogel und Heinrich von Kleist in einem Berlin von heute wieder aufersteht.

Auf dem Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 1993 präsentierte sie ihr erstes Theaterstück „Die Nationalgaleristen“, das Jens Daniel Herzog später in den Münchner Kammerspielen inszenierte. „Eine heiter-ironische, hintersinnige Persiflage der Kunst und Öffentlichkeitsszene unserer Tage“ (Der Tagesspiegel) war das, ein Theaterstück, dem zahlreiche weitere folgen sollten: „Orwell“ (1996, Regie: Armin Petras), „Malaria“ (1998, Regie: Anselm Weber), „Kameliendame“ (2000, Regie: Amelie Niermeyer).

Simone Meyer liebte auch die Ausflüge ins Kinder-Hörspiel und Familientheater. Claus-Dieter Clausnitzer und Joachim Meyerhoff hatten denkwürdige Auftritte in ihrer sehr eigenen Bearbeitung von Francis H. Burnetts „Ein kleiner Lord“, die Jens Schmidl 1998 am Schauspiel Dortmund inszenierte.

Später wandte sie sich dem Fernsehen zu, schrieb „Tatorte“, Drehbücher und Serienepisoden. Bis kurz vor ihrem Tod arbeitet sie an ihrem Tagebuch und beschäftigte sich mit den Werken von Uwe Johnson und Else Lasker-Schüler. Am 22. Januar 2021, dem Todestag von Else Lasker-Schüler, ist auch Simone Meyer in ihrer Wahlheimat an der Ostsee gestorben.

Wir trauern um unsere Autorin und bleiben zurück mit vielen guten Erinnerungen und gemeinsam erlebten Theater- und Hörspielstunden. Unsere Gedanken sind bei ihrem Mann, Christoph Meyer, ihrer Tochter und ihrer Familie.

„Sichtbar vom All“ ist der Titel eines Hörspiels von Simone Meyer.

Adieu, Simone Meyer.

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Simone Schneider

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