Heidelberger Stückemarkt

Auf Abstand im Sehnsuchtsvakuum

vom 3.5.2021

Bild: Susanne Reichardt

2019 gewann DAS WEISSE DORF den Autor:innen Preis des Heidelberger Stückemarktes. Die Deutsche Erstaufführung konnte erst in diesem Jahr erfolgen. Katharina Ley und Friedrich Witte spielen, Ron Zimmering inszeniert.

"Wer hätte das gedacht", schreibt Volker Österreich in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 03.05.2021, "es funktioniert noch immer bestens! Das psychologische Kammerspiel, eigentlich eine etwas aus der Mode geratenes Genre, bekommt neuen Auftrieb. Und das auch noch auf dem Amazonas. Denn genau dort, genauer gesagt: auf einem Flusskreuzer, kreuzen sich in Teresa Doplers Zweipersonenstück "Das weiße Dorf" die Wege von Ruth und Ivan." Besonders lobt der Rezensent die "feingeschliffenen Dialoge" der Autorin.

"Alles bleibe in bester Balance in diesem Sehnsuchtsvakuum", notiert Anna Landefeld auf nachtkritik.de. "Niemand wird verletzt – äußerlich, auch innerlich nicht. Zur Liebe gehört aber nun mal Mut. Der Schmerz in Teresa Doplers "Das weiße Dorf" besteht daraus, dass Ruth und Ivan genau darum wissen. Eine solche Story birgt heikles Kitschpotential, aber man muss Autorin und Ensemble sehr dankbar sein, dass sie diesem nicht erliegen. (Anna Landefeld, nachtkritik.de, 01.05.2021)

Auch Eva Biringer thematisierte die Ambivalenz von Lachen und Trauer im Stück. Es werde, "und das ist das Traurige an diesem Text, wahnsinnig viel gelacht", schrieb sie im April 2019 auf nachtkritik.de über das Preisträger:innen-Stück. Dieses Heiterkeitsdiktat verleihe Doplers Stück seine Schärfe und Trostlosigkeit. Formvollendet werde "brodelndes Begehren unter Höflichkeitslawinen begraben".

Als "Stückperle" bezeichnet Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung (03.05.2021) Teresa Doplers Text. Ein trauriges Stück sei es. Die Autorin habe es "streng komponiert und rhythmisiert, gefügt aus knappen Sätzen mit wohl gesetzten Wiederholungen, Konjunktiven und Formeln wie der refrainhaft wiederkehrenden Selbstbestätigungsfloskel "Es ist ein gutes Zeichen, wenn ...". Gekonnt bringe die Autorin "die Dialogpartner in ein fixes Pingpong und halte sie dennoch auf Distanz, lasse sie sich gegenseitig in ihren astreinen Lebensentwürfen spiegeln ("ja, das finde ich auch", "mir geht es genauso"). "Es gibt nur eine einzige Regieanweisung, die kommt oft und lautet: "(lacht)". Es sind Peinlichkeits-, Verlegenheits-, Übersprungslacher."

Teresa Dopler zeichne "das subtile Portrait zweier Menschen, die nichts verpassen, sich nicht zu früh festlegen wollten", so Anne Fritsch am 01.05.2021 in "Die Deutsche Bühne." Als sie sich wieder begegnen, werde spürbar, "dass das nicht funktioniert hat. „War es ein großer Fehler, dass wir uns nicht mehr gesehen haben?“, fragt Ivan. „Ja, ich denke, das war ein großer Fehler“, antwortet Ruth. Sie fühlen sich wie „die größten Idioten“. Dennoch: Keine*r von ihnen würde dem anderen hinterher springen in den Amazonas, ins Unbekannte. Sie belassen es bei der Fantasie, hoffen wiederum auf das Vergessen und die Arbeit, die ihnen „keine Zeit für Sehnsucht“ lassen wird. Sie sind wie der Rio Negro und der Amazonas, die irgendwann aufeinandertreffen. Sie fließen in einander, ohne wirklich eins zu werden. Ihre Wasser vermischen sich nicht, bleiben hellbraun und schwarz."

„Das weiße Dorf“

Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück als eBook in diversen Online-Shops bestellen.

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