Digitalpremiere

Wir sind ein Orden der Liebe!

vom 25.5.2021

Bild: Maria Koltschin / Siegersbusch

Der Thriller oder das Horror-Stück sind auf Bühnen selten vertreten. Mit Rebekka Kricheldorfs DAS WALDHAUS geht das Theater Osnabrück neue Genre-Wege. Dominique Schnizer inszenierte das Stück über Schwiegereltern, Schwurbler und Verschwörungstheoretiker als klaustrophoben Theaterfilm.

„Was für ein schaurig-schönes Baby haben Regisseur Dominik Schnizer und Rebekka Kricheldorf aus der Taufe gehoben“, schreibt Christine Adam in der Neuen Osnabrücker Zeitung am 22. Mai. DAS WALDHAUS sei ein „starkes Stück“.

Das Genre des Verschwörungstheorie-Dramas sei kein besonders populäres, befindet Christiane Lutz am 24. Mai in der Süddeutschen Zeitung. Die Dinge so konkret beim Namen zu nennen, sei ungewöhnlich. Zu schnell werde es dogmatisch, zu platt, wenn Autoren allzu eifrig versuchten, Debatten eins zu eins auf der Bühne abzubilden. Jedoch: „Rebekka Kricheldorf traut sich das, prescht in schönstem Querdenker-Sprech nach vorn, bedient rassistische Klischees, warum auch nicht, sie ist eine extrem versierte Autorin.“ In ihrem Debattenstück führe sie brutal vor, wie schnell man als selbstreflektierter, nachhaltig bewegter Millenial von Verschwörungstheoretikern in Erklärungsnöte gebracht werde. „Wie lang soll man mit Menschen diskutieren, die völlig anderer Meinung sind?“ fragt die Kritikerin. „Soll man überhaupt diskutieren? Wann ergreift man die Flucht? Auch das: sehr bekannt, sehr aktuell.“

DAS WALDHAUS stelle sich in die Tradition von Horror-Erzählungen, so Cornelia Fiedler am 22. Mai auf nachtkritik.de, „die jenes Grauen in den Blick nehmen, das einer Gesellschaft bereits innewohnt. So wird Frauenverachtung eingeordnet als Teil eines gut verwurzelten, rechten, menschenfeindlichen Weltbilds.“ Normalerweise sei der Erstkontakt mit Schwiegereltern „ein Lieblingsmotiv für romantische Komödien. Sie entpuppen sich wahlweise als kiffende Hippies, als spießig bis zum Abwinken oder als Rassist*innen und Religionskrieger*innen von nebenan – die dann aber durch komische Verwicklungen und durch die knuffige Kraft der Liebe bekehrt werden können. Oder auch nicht. Dann allerdings steht dringend ein Genrewechsel an: in den Horror zum Beispiel. Diesen Weg wählt Rebekka Kricheldorf in ihrem neuen Stück.“

„Das Waldhaus“

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