TRANSIT im Theater

Anna Seghers berühmter Exilroman als aktuelles Kammerspiel

vom 5.10.2021

Bild: Krafft Angerer

Erfolgreiche Premiere beim Kunstfest Weimar 2021: Regisseur Amir Reza Koohestani hat den Roman für das Hamburger Thalia Theater auf drei Protagonisten komprimiert und versetzt die Handlung an einen Ort postmoderner Bürokratie.

„Politisch relevant und berührend“ urteilt Matthias Schmidt im MDR, zugleich hochaktuell angesichts der Lage in Kabul. „Amir Reza Koohestani lässt die Nachrichten außen vor, und er tut gut daran.“ Im Wesentlichen stützt sich die Inszenierung auf den Roman und „hat ihre herausragenden Momente, wenn sie der traurigen Poesie vertraut, die Anna Seghers ihren eigenen Fluchterlebnissen abtrotzte“. (10.09.2021, MDR Kultur)

„TRANSIT gehört zu den wichtigsten Werken der Exilliteratur“, schreibt Kevin Hanschke in der FAZ. Der Roman erzählt eine Fluchtgeschichte auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs. „Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani, dessen Stück in Weimar Premiere feierte, hat aus dem Stoff ein intimes Kammerspiel entwickelt, welches den Wahnsinn der Flucht zeigt.“ (14.09.2021, FAZ)

„Koohestani hat für dieses Gefühl der fehlenden Selbstbestimmung ein eindrückliches Bild gefunden“, beschreibt Falk Schreiber im Hamburger Abendblatt: „die drei Exilanten befinden sich ausschließlich im aseptischen Wartebereich eines Botschaftsgebäudes (Bühne Mitra Nadjmabadi), weder zur Bevölkerung noch zu den Mitarbeitern bekommen sie Kontakt“. Verpackt in elektronische Freundlichkeit, erweise sich dieser Transitbereich als „ein Bürokratiemonster kafkaesker Güte“. (28.09.2021, Hamburger Abendblatt)

Nicht zuletzt ist TRANSIT eine unglückliche Liebesgeschichte zwischen drei Figuren, „die hochkonzentriert daran arbeiten, in der doppelt unmenschlichen Umwelt aus Krieg und einer fremden, sie abweisenden Teflon-Gesellschaft stark zu bleiben“. Toni Ruhnke als Maria, Oliver Mallison (als Arzt) und vor allem Nils Kahnwald als Erzähler spielen das mit der „somnambulen Sicherheit“, die Heinrich Böll Anna Seghers Schreiben bescheinigte. Ein sehens-, ein lohnenswerter Abend“, schreibt Matthias Schmidt. (09.09.2021, nachtkritik.de)

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