Ich wollte etwas für mein Land tun

vom 24.1.2018

Mit ihrem ersten Stück FOXFINDER hat sie inzwischen die deutschen Theater erobert. Nun legt Dawn King mit CHIFFREN eine Agentengeschichte vor, die nicht nur spannend erzählt ist, sondern auch auf äußerst theatralische Weise die Frage nach Identität stellt. Bernhard Mikeska hat das Stück in eine White Box gestellt und die deutschsprachige Erstaufführung (Deutsch von Anne Rabe) am Theater Bielefeld inszeniert.

CHIFFREN erzählt mittels knapper, nicht chronologisch angeordneter Szenen die Geschichte von der Rekrutierung Justines beim britischen Geheimdienst über ihren wohl gewaltsamen Tod bis zu den schließlich scheiternden Aufklärungsversuchen ihrer Schwester Kerry. Ein echter Krimi wird das, weil Justine eine Doppelagentin ist, die mit ihrem Kontaktmann Koplov (Thomas Wehling) sogar Russisch spricht (mit Übersetzungen über der Bühne). Zudem lässt King je zwei Figuren von nur einer Schauspielerin beziehungsweise einem Schauspieler darstellen. Hänsel etwa spielt Justine wie deren Schwester Kerry. Welche Figur sie ist, ergibt sich oft nur aus dem Dialog, manchmal wird es durch eine Zigarette in der Hand ergänzend verdeutlicht – nur die etwas ältere Kerry raucht. King schlägt aus der Doppelung amüsante szenische Funken, etwa wenn im Dialog wiederholt betont wird, wie unterschiedlich die beiden Schwestern seien.
Kai Bremer, nachtkritik.de, 21.01.2018

Nachdem das Rätseln über das beeindruckend große Kaninchen auf der Bühne verklungen war, (…), hat sich das Publikum in ungewohnter Konzentration im Theater am Alten Markt in Bielefeld der deutschsprachigen Erstaufführung von Dawn Kings CHIFFREN hingegeben. Unter anderem eine Spionagegeschichte hält das Publikum bis zur letzten Sekunde in Atem. Es folgt langer Applaus.
Silvana Kreyer, Die Glocke, 22.01.2018

Teilweise werden die kurzen, stets gekonnt auf einen Thrill zugeschriebenen Ping-Pong-Dialoge aus gefrorenen Posen entwickelt – oder kulminieren darin. Wie es sich für die Dramaturgie des Genres gehört, offenbart sie ständig neue Puzzlesteine zur Aufklärung des verhandelten Falls – ohne dass deutlich wird, ob es Fakten oder Fake News sind. Weiter verwirrend: King hat acht Figuren entworfen – für vier Schauspieler. Und wechselt auf der Zeitachse unvorhersehbar zwischen Vor- und Rückblende. (…)
Das Stück ist filmreif, jede Szene präzise auf ihren Thrill hin zugeschrieben. Aber die Regie zeigt, dass ein solcher Stoff nicht die rasant geschnittene Kinoillusionsmaschinerie zur wirkungsmächtigen Darbietung benötigt, sondern temporeduziert im desillusionierenden Theaterkontext ebenso gut funktioniert. Zur Freisetzung szenischer Fantasie reicht es, den White Cube ohne Requisitenschnickschnack, nur mit neonfarbig variierender Illumination und Geräuschen zu inszenieren – etwa Geplapper-Zuspielungen zur Verortung eines Handlungsmomentes auf einer Vernissage.
Jens Fischer, Die Deutsche Bühne, 21.01.2018

CHIFFREN erzählt seine Geschichte nicht chronologisch. Die vier Schauspieler spielen acht Rollen, sie wechseln die Identität so schnell wie die Sprache: Es wird auch Russisch und Japanisch geredet, szenenlang. Denn Justine arbeitet für den Geheimdienst.
Burgit Hörttrich, Westfalen-Blatt, 21.01.2018

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