Ich wünschte in der Welt nützlich zu seyn – Zwei Theater in einem Boot mit Georg Forster

vom 27.2.2018


© Luca Abbiento

So debattierwütig wie handlungsohnmächtig vereinen sich hier vier höchst heterogene Protagonisten und ihre Wegbekanntschaften zu einer gemeinsamen Unternehmung. In komischer Verzweiflung an einer Welt, die aus den Fugen scheint, brechen sie auf zu einer Floßfahrt auf dem Rhein und dann weiter über Land Richtung EU-Schaltzentrale in Brüssel. Spiritus rector ist Georg Forster, Naturforscher, Weltumsegler und Revolutionär des 18. Jahrhunderts. Er hat die Theater in Mainz und Weimar zur Koproduktion angestiftet und mit Jan Neumann einen tatkräftigen Kapitän in Sachen Stückentwicklung ins Boot geholt. Herausgekommen ist die Theaterreise DREI MAL DIE WELT, die jetzt mit einer Woche Abstand in Weimar und Mainz zwei zur Nachahmung anstiftende, erfolgreiche Premieren hervorgebracht hat.

„…ein sehr unterhaltsamer Abend über Demokratie mit Selbstbeteiligung, über Meinungsbildung und letztlich eben über Weltanschauung. (…) Die holprige Reise pendelt furios zwischen Klamauk und Komödie, der Text zwischen Kalauer und Poesie“.
Michael Helbig, Thüringische Landeszeitung, 10.Februar 2018

„Die Verzweiflung, die Nadja Robiné als engagierte Junglehrerein köstlich parodistisch zuspitzt, darf ernst genommen werden. Denn in dem durch und durch komischen Stück „Drei Mal die Welt“ werden Warnungen vor der globalen Katastrophe durch gewitzte Ironie erträglich gemacht, Agit-Prop und Dekonstruktion des Protest-Diskurses gehen fröhlich Hand in Hand“
Matthias Bischoff, FAZ Rhein-Main, 19. Februar

„Thomas, der vom Reisebüro, klagt, Jonas Schlagowsky macht das komisch verzweifelt, dass er morgens zehn nach sechs schon weiß, was er um zwei machen wird auf dem Klo. Michael, der Professor, klagt über die Kanaken, die sein Leben beunruhigen, der Schauspieler Sebastian Brandes ist aus dem koproduzierenden Mainz und macht den peniblen, das Leben bemäkelnden Thüringer. Georg, Mark Ortel, auch aus Mainz, der Sanfte, enthält sich bei jeder Abstimmung und sucht im Übrigen einen Menschen, einfach einen Menschen. Dascha Trautwein … wie sie am Ende als Europaabgeordnete ernsthaft über Georg Forster und seine Nutzanwendung sprechen kann – und immer wieder unterbricht, um als Politikerin die Rede zu korrigieren, die Wirkung zu optimieren.
Und das ist das Prinzip, der Trick des in Inhalt und Form so sehr überzeugenden Abends: ein glänzender Rhythmus von Blödelei und Bedeutung. Die Ironie, die überbordende Selbstironie erst ermöglicht es, die ernsthaften Texte über Umwelt und Gerechtigkeit, über Menschen und ihre Rechte, vollkommen unironisch beim Nennwert zu nehmen.“
Henryk Goldberg, nachtkritik.de, 8. Februar

„Sie alle laden ihre komischen Figuren auf mit ernsthaftem Zweifel und Verzweiflung, mit ehrlicher Wut, Angst und Hoffnung. Sie lassen sie an die eigenen Grenzen stoßen und erlauben ihnen doch, wenn sie schon nicht zu beseitigen sind, sie zu verschieben.“
M. Helbig, s.o.

„Was Jan Neumann aus dem Aufeinanderprallen der vier Egos herausholt, ist ein bei aller drastischen Komik bis in die Details stimmiger Slapstick-Marathon auf dem schmalsten Grad zwischen Tiefgang und Klamauk. (…) Vielleicht ist das ja tatsächlich der einzige Weg, auf einer Bühne darüber zu verhandeln, dass Tun besser ist als Reden und Forster, Mitbegründer der Mainzer Republik, auch 225 Jahre nach deren Existenz immer noch Vorbild sein kann.“
M.Bischoff, s.o.

„Ich wünschte in der Welt nützlich zu seyn – was kann ich dazu thun?“ Diese Frage Forsters wird zum Leitmotiv der 110-minütigen, in der Tat Lachen wie nachdenklich machenden Produktion“
Andreas Pecht, Rhein-Zeitung, 19. Februar

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