Was von Menschen übrigbleibt - E. BAUERS SAMMELSURIUM DER UNSTERBLICHEN STERBLICHEN

vom 26.1.2017


© Karoline Bofinger

„Regisseure, die sich mit ihren Projekten tatsächlich gewinnbringend auf eine Stadtgesellschaft einlassen, sind selten. Jan Neumann aber gehört zu dieser qualifizierten Minderheit: „E. Bauers Sammelsurium der unsterblichen Sterblichen“ ist sein fünftes, gemeinsam mit den Spielern für Stuttgart entwickeltes Stück, das unter seiner Regie uraufgeführt wurde“, schreibt Roland Müller in der Stuttgarter Zeitung, ...

„… um die „Töchter und Söhne der Stadt“ – so der Untertitel der Szenenfolge – dem Vergessen zu entreißen. Und bei seiner Recherche mit dabei: Kriminalhauptkommissar Emil Bauer, dessen Spürsinn am Tatort, dessen Blick für noch so winzige Lebensspuren nun just das Besteck ist, mit dem auch Neumann und sein Ensemble der Stadthistorie auf den Leib rücken. (…) Hinter jedem Ding steckt ein Mensch, der „eingereiht in eine unendliche Kette von Genen, Gedanken und Geschichten“ eben mit diesem Ding verbunden ist.“

„…Als es heller wird, verblassen die Besucher im Spiegel, der eine durchsichtige Membran ist; dafür erwachen hinter der Wand schemenhaft Figuren zu neuem Leben. Die Eingangsszene hat etwas von einer Totenbeschwörung, einer Séance, die von einer Erzählerin im Trenchcoat bedeutungsschwer anmoderiert wird. Birgit Unterweger ist in den Mantel des Kriminalhauptkommissars Emil Bauer geschlüpft, der kurz vor seiner Pensionierung den Versuch unternimmt, die unheimliche Präsenz des Abwesenden zwischen Licht und Schatten zu fassen. Ein eindrücklicher Auftakt.“
Tomo Pavlovic, Stuttgarter Nachrichten 23. Januar 2017

„Die fulminanten Schauspieler Boris Burgstaller, Manuel Harder, Mark Ortel, Lea Ruckpaul, Susanne Schieffer und Birgit Unterweger lassen im mit fahrbaren Holzgerüsten ausgestatteten Bühnenbild von Dorothee Curio und den auf Tiere spezialisierten Kostümen von Nini von Selzam sowie der Musik von Thomas Ostendorf das Leben dieser recht skurrilen Stuttgarter Protagonisten Revue passieren. Da erscheint der verrückte Cannstadter Schuster Salomon Idler, der im 17. Jahrhundert bei einem Flugversuch in eine Holzbrücke stürzte. Der Schuster wollte nach dem Tod von vier Hühnern nur noch Poet und Schauspieler sein. (…)
Auch der „Verfasser der Katalogkunde“ wird beleuchtet, ganz zu schweigen vom Erfinder der Fliegenklatsche. Kunsterzgießer und Giftgasentwickler stürmen über die Bühne, deren Aussehen sich immer wieder verändert. Es sind Persönlichkeiten, die in Vergessenheit geraten sind und von Neumann wieder mit prallem Leben gefüllt werden. Das ist ein spannender Prozess.“
Alexander Walther, Der neue Merkur, 20. Januar 2017

„Am Ende senkt sich die Spiegelwand, in die das Publikum schon zu Beginn schaute, wieder herunter. Man blickt auf sich selbst: auf Söhne und Töchter der Stadt, die künftig Gewesenen.“
Verena Großkreuz, Cannstatter Zeitung, 23. Januar 2017

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