Rentner-Revolte in Weimar: BAMBULE IM HERBST

vom 22.9.2017


© Candy Welz

Ihrem beredten Namen alle Ehre macht diese Komödie von Dirk Laucke, in der zwei „ausgemusterte“ Rentner den Aufstand proben. Ausgestattet mit zwei Paraderollen und mehr als 40 Jahren Bühnenerfahrung spielen Elke Wieditz und Bernd Lange am DNT in der Regie von Enrico Stolzenburg zusammen noch einmal stark auf und zeigen Katter, dem wankelmütigen jungen Angestellten aus der Mediaquatschbude, gespielt von Nicolas Streit, wo’s langgeht im Leben und in Richtung Gerechtigkeit.

Aus dem Einkaufswagen-Gerassel in der Shopping-Mall über die Tristesse seiner Gartenlaube hinein in die Abgründe einer Mediamarkt-Abzocke führt der Weg von Jürgen Raser im Kampf um Gerechtigkeit. Der Frührentner und Pfandsammler trifft nach dem Krebstod seiner Frau im Parkcenter an der Bockwurstbude auf Katrin Wichert, die sich in der Mediaquatschbude in einer „Alt-gegen-Neu-Aktion“ ihre schöne alte Leica gegen eine pseudomodischdigitale Kamera hat abknöpfen lassen. Da läuft der Raser mal wieder zur Hochform auf. Die Leica, ein wertvolles altes Exemplar, will zurück – und die Wichert, die nebenbei laut über Scheidung nachdenkt, neu erobert werden. Raser startet eine Rückholaktion in Kohlhaas-Manier. Leider findet er beim Einbruch im Entsorgungslager des Mediamarkts statt der alten Leica unerwartet den jungen Angestellten Katter vor, der offenbar ebenfalls Nachhilfe braucht, sich im kapitalistischen Schweinesystem gegen kriminelle Vorgesetzte zu behaupten. Nun werden alle drei auf die Probe gestellt, einen Weg aus dem Schlamassel zu finden. Raser jedenfalls weiß: „Das Wesen von Geld ist Misstrauen“ und steckt sich vorsorglich schon mal die Makarow von Gartennachbar Machno in den Gürtel.


„Was wie eine lustige Kriminalklamotte klingt, entpuppt sich als temporeiche Gesellschaftsanalyse: Was ist gerecht? Wo ist mein Platz im Leben?“
mdr.de/video-artour-kultourkalender (14.September 2017)

„Alt gegen neu“ erklärt Bibliothekarin Katrin Wichert mit größter Gelassenheit. „Es ist eine symbolische Handlung. Und es kommt der Herbst!“ Es ist auch ein symbolischer Text – und eine symbolische Komödie. (…) Sie handelt auch vor dem Hintergrund eines Staates und einer Gesellschaft, die es an Fürsorge missen lassen gegen den Ausverkauf alles Menschlichen: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Fertig. Ende. Das mündet hier in eine verstolperte Revolte „Alt gegen Neu“ (nicht: “Alt gegen Jung“) Es ist dies aber eben auch eine Komödie im Herbst zweier Schauspielerleben.“
Thüringische Landeszeitung, 18.September 2017
Lesen Sie die ganze Rezension unter: www.tlz.de/......


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