JUGEND OHNE GOTT - und auf schiefer Bahn

vom 21.9.2018


Bild: David Baltzer

Horváths bekannter und mehrfach verfilmter Roman aus dem Jahre 1937 ist ein parabelhafter Politkrimi, den der Autor-Regisseur Kristo Šagor jetzt in einer Theateradaption als spannendes Lehrstück über Ideologie und Macht am Jungen Schauspiel in Düsseldorf auf die Bühne gebracht hat. Damit gelingt dem Düsseldorfer Schauspielhaus ein politisch hochaktueller Saisonauftakt. Ein stark aufspielendes Ensemble und eine überzeugende Bühnenidee konfrontieren den Zuschauer mit der Frage nach Zivilcourage und Widerstandsgeist in einer Zeit, in der die Demokratie wieder akut gefährdet ist.

„Vor uns ein schwarzer Bühnenraum mit einem großen, quadratischen Podest auf etwa einen Meter hohen hydraulischen Stelzen. Darauf fünf junge Schauspieler: zwei weiblich, drei männlich. Alle in gleicher dunkelblauer Uniform, die sowohl Schul- als auch Vereinsuniform sein könnte. Im Laufe der nächsten zwei Stunden werden diese grandiosen jungen Akteure in neunundzwanzig verschiedene Rollen schlüpfen und uns in einem packenden Stück zwischen Politdrama und Krimi durch achtzig Jahre Geschichte jagen.
Kaum beginnen sie zu sprechen und sich zu bewegen, da schwankt der Boden unter ihnen: nur äußerst kalkuliert und vorsichtig, ängstlich darauf bedacht, nicht abzugleiten, stets den anderen beobachtend und einschätzend, schafft diese exzellente Bühnenidee eine Metapher für das Lavieren der Menschen unter der Bedrohung eines allgegenwärtigen Machtapparates.“
Theater pur, Christa Fluck, September 2018

„Es geht auch Horváth ja nicht um den historischen Moment oder die Frage, ob Geschichte sich wiederholt, sondern um die Mechanismen der Hetze, Ausgrenzung und Gewalt. Um die Mittel des Einzelnen, sich der Verrohung einer ganzen Gesellschaft zu widersetzen. Kristo Šagor lässt das am Jungen Schauspielhaus auf höchster Abstraktionsstufe spielen.“
Rheinische Post, Dorothee Krings, 14. September 2018

„Also das Stück oder der Roman ist eine Mischung aus Krimi und Politroman, spielt ungefähr im Jahr 1935/36 in Deutschland, nachdem sich eben viele Menschen dieser neuen Ersatzreligion der Nazis zuwenden und die dann auch ihre Macht festigen, etwa in der Erziehung. Das sehen wir an dem Erzähler, das ist ein Lehrer, dessen Schulklasse die Ideologie dieser Menschenverachtung und vom Gehorsam und Rassenhass mehr und mehr verinnerlicht. (…) Die inneren Monologe bringt dann der Lehrer oft erzählend ins Publikum, manchmal sind sie auch geschickt auf das gesamte Ensemble verteilt, heißt, die Gedanken, die er hat, sind nicht nur einem Einzelnen zuzuordnen.“
WDR3-Mosaik, Martin Burkert, 14. September 2018

„Alle sind namenlos, die Schüler werden mit Buchstaben belegt. So gibt es Horváth in seinem Roman JUGEND OHNE GOTT vor und so hält es der Regisseur und Textbearbeiter Kristo Šagor, der sich in seiner Bühnenfassung fast ausschließlich auf Originaltexte verlässt. So entsteht ein stark erzählerischer Bühnentext. (...) Grandios, wie die Schauspieler*innen in die Rollen schlüpfen, mit minimalen Requisiten, mit Sprachvariation und Gestik die nötige Atmosphäre schaffen (…). Ein zugleich bestens unterhaltender und ergreifender Abend im Jungen Schauspiel – keineswegs nur für junges Publikum.“
Theater pur, s. o.

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