Norwegens Trauma

vom 28.8.2017


© Stephan Walzl

Am 22. Juli 2011 tötete Anders Behring Breivik auf der Insel Utøya bis zum Eintreffen der Polizei 69 Menschen, die an einem Sommercamp der sozialdemokratischen Arbeiterpartei teilnahmen. Zuvor hatte er in Oslo eine Bombe gezündet. Der Name des Attentäters wird in Edoardo Erbas Stück nicht genannt – umso mehr interessieren den italienischen Dramatiker drei Paare, die unmittelbar mit den Vorgängen verwoben sind. Peter Hailer hat das Stück am Oldenburgischen Staatstheater erstaufgeführt. „Der Dramatiker stellt Fragen an uns, die Zuschauer, wie wir unser Leben angesichts des Terrors ändern sollten - die Antwort muss jeder sich selbst geben“, schreibt Ulrich Fischer in der Huffington Post.

Das szenische Gefüge ist geschickt gestrickt, und Regisseur Peter Hailer legt es darauf an, dass die Szenen einander auch überlappen. Das Publikum sitzt im Saal und auf der Bühne, und die Akteure nehmen auch unter uns Platz – so wird der zentrale Schrecken der Norweger im Stück des Italieners Erba ganz sinnfällig kenntlich: dass es "einer von uns" gewesen ist, der da zum Monster mutierte, einer wie sie alle im Stück; nur eben ein bisschen anders.Damit lässt Erba teilnehmen an einer Debatte darüber, wie fremd der Terror denn wirklich ist; und ob nicht in jedem neuen Angriff durch einen radikalisierten Islamisten auch ein Echo heimisch-europäischen Selbstverständnisses mitschwingt. (…) Edoardo Erba ist hierzulande kein durchgesetzter Autor, der Regisseur Matthias Brenner hatte mal Erbas Stück über "Die Maurer" ausgegraben, in dem ein Theater zugemauert werden soll. Vielleicht werden jetzt doch mehr Theater von Utoya und dem Schrecken des Terrors erzählen wollen – es lohnt sich.
Michael Laages, Deutschlandfunk, 24.08.2017

Die Regie sorgt für flüssige Übergänge zwischen den Szenen und jongliert gut mit Emotionen. Die kochen oft hoch: Wir zittern mit den Eltern, ärgern uns über die Polizisten, verstehen das Bauernmädchen nicht. So transportiert das Stück auch Moral: Greift ein! Seid wachsam! (…) Es ist oft bedrückend und manchmal hart, aber nie langweilig. Es wird gewiss wirken und auf anderen Bühnen nachgespielt. Lässt sich also Terror eher indirekt gut darstellen? Auch in Ferdinand von Schirachs Debattendrama „Terror“, das im November wieder im Großen Haus läuft (übrigens in der Regie von Hailer), wird der Terror indirekt thematisiert. Beide Stücke sind unbedingt zu empfehlen. Viel Beifall am Ende für „Utøya“. Ideal wäre freilich eine Welt, die gar nicht erst das Material für solche Dramen liefert.
Reinhard Tschapke, Nordwest Zeitung, 25.08.2017

Das Stück ist erfrischend (norwegisch) nüchtern und birgt gleichzeitig vulkanische (italienische) Energien. Der Dramatiker stellt Fragen an uns, die Zuschauer, wie wir unser Leben angesichts des Terrors ändern sollten - die Antwort muss jeder sich selbst geben. Nur eines scheint klar bei Edoardo Erbas Schilderung: feurige Polizistinnen sind besser als erloschene Gesetzeshüter, Mut besser als Feigheit. Die Quintessenz des Stücks kann man schon bei Thukydides nachlesen: "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut." Die Polizistin ist als Figur dem Dramatiker am besten gelungen.
Ulrich Fischer, Huffington Post, 24.08.2017

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