Argonauten auf Identitätssuche

vom 24.5.2018


© Bettina Stoess

Einfach IASON hat Kristo Šagor sein Stück genannt, wie der Held der Argonautensage, der für seinen Anspruch auf den Thron das legendäre Goldene Vlies aus Kolchis holen muss. Es wird eine stationenreiche Initiationsreise, die den jungen Iason mit seinen Gefährten über verlustreiche Abenteuer, existenzielle Fragen und Zweifel vor allem zu sich selbst führt und in eine verhängnisvolle Affäre mit Medea. Jörg Wesemüller, Leiter des Jungen Staatstheaters in Braunschweig, hat mit sechs Schauspielern im spacig-weiten Bühnenraum von Jasna Bosnjak aus dem vielschichtigen Text einen spannend-gegenwärtigen Theaterabend gemacht, der zur Uraufführung im Kleinen Haus nicht nur das jugendliche Publikum begeisterte.

Aus der Braunschweiger Zeitung:

„Kristo Šagor hat die griechische Sage um Iason und seine Jagd nach dem Goldenen Vlies ganz unangestrengt in ein Stück über heutige, vor allem männliche Identitätssuche verwandelt“, schreibt Rezensent Andreas Berger.
Im Zentrum ein junger Titelheld, der naiv und unerfahren mit sich selbst zunächst noch gar nicht recht wisse, was man von ihm wolle und naiv zur Abenteuerreise rüstet. Ein bisschen fühle er sich auch wie ein Idiot. „Können auch Idioten Helden sein?“, fragt er. Mit solchen Zwischenfragen setzt Šagor immer wieder Pointen, die die Heldensage erden, aber auch die Alltagsgeschichte erhöhen zu dem einen sagenhaft Wichtigen, das solche Identitätsfindungsreise für jeden Einzelnen ist. Heldennamen und mythische Orte wechseln mit Sprüchen und Worten von heute und ergeben ein fein changierendes, oft humorvoll gewirktes Gespinst.“
Uraufführungsregisseur Jörg Wesemüller habe das packend inszeniert. „Aus wenig Requisiten, viel Lichtwechseln und sechs Schauspielern zaubert er und die Ausstatterin Jasna Bosnjak ganze Theaterwelten. Atmosphäre, Timing, sprachlich wie choreographisch pointiert erfasste Charaktere und Mut zum Gefühl – da stimmt einfach alles.“ Berger dankt auch dem exzellenten Ensemble, allen voran Cino Djavid, der den Jungen Iason überraschend und mit „manchmal stutzender Retardierung“ gebe, „der Heldentum erstmal ausprobiert“. „Schön, wie ernsthaft er über Distanz die Liebesverzauberung durch Medea zu erspielen vermag, wie er mit weichem Ton ihrer Liebe folgt, aber die Selbstbestätigung auch von ihr nicht bekommt und das spürt.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Andreas Berger in der BZ vom 23. Mai 2018

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